Буратино (Burattino – der russische Pinocchio)

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Wer kennt Burattino noch?

Er ist, wenn man so will, der Pinocchio des Ostens und nach der Wende schien es eine Weile, als gäbe es ihn nicht mehr. Doch ich möchte euch erzählen, was es mit dem berühmten Holzpüppchen auf sich hat und warum es Parallelen zu Pinocchio, seinem italienischen Bruder, gibt.

Burattino (russisch: Буратино) ist die Hauptfigur des Buches „Das goldene Schlüsselchen oder „Die Abenteuer von Burattino“ (1936) von Alexei Nikolajewitsch Tolstoi (russisch Алексей Николаевич Толстой)

Tolstoi war ein russischer Schriftsteller, der von 1883-1945 lebte.

Basierend auf dem Roman „Die Abenteuer von Pinocchio“ (von Carlo Collodi im Jahr 1883) entstand Burattino als Charakter in der Theaterkunst. Der Name Burattino wird vom italienischen Wort „burattino“ abgeleitet, was hölzerne Marionette oder Puppe bedeutet.
Die Veröffentlichung des Buches begann 1936 und Burattino wurde schnell sehr beliebt bei Kindern in der Sowjetunion, später auch in den damaligen Ostblock-Staaten inklusive der DDR. Die Geschichte wurde in mehreren Filmen erzählt, darunter 1959 und 1975.

Tolstoi hatte die Geschichte von „Pinocchio“ als Kind gelesen, aber nachdem er das Buch verlor, begann er, es viele Jahre später in einem Versuch neu zu erfinden. So entstand eine Reihe von Kindergeschichten für seinen eigenen Nachwuchs. Die daraus resultierenden Erzählungen erwiesen sich als so originell und wurden von den Schriftstellern so geliebt, dass er beschloss, sie auf Papier zu bringen und zu veröffentlichen.
Die Geschichte erzählt von Burattino auf der Suche nach dem goldenen Schlüsselchen. Dabei muss er einige Abenteuer bestehen. Er begegnet dem bösen Karabas, dessen treuen Freund Duremar, sowie den Gaunern Alice (die Füchsin) und Basilio (der Kater).

Wie Pinocchio ist Burattino eine langnasige Holzpuppe

Entsprechend der Geschichte wird er von Papa Carlo (Russisch: папа Карло) , einem armen Drehorgel-Spieler aus einem Klotz geschnitzt. Plötzlich erweckt die freche Marionette zum Leben und bekommt von Papa Carlo eine viel zu lange Nase verpasst. Papa Carlo versucht, die Nase zu verkleinern, aber Burattino widerspricht heftig.
Papa Carlo schickt dann seinen hölzernen Sprößling zur Schule. Allerdings wird der Junge durch eine Werbung für eine lokale Puppentheater-Show abgelenkt und kommt niemals in der Schule an.
In dem Theater begegnet er anderen Puppen, aber der böse Puppentheater-Chef Karabas Barabas will ihm Böses, weil Burattino die Show gestört hat.
Karabas Barabas entlockt Burattino, dass das Haus von Papa Carlo eine geheime Tür enthält, die Karabas schon lange sucht.
Ein goldener Schlüssel, den Karabas einmal besaß, aber später verlor, öffnet diese Geheimtür. Karabas gibt Burattino seine Freiheit wieder und schenkt ihm sogar fünf Goldmünzen, allerdings mit dem Hintergedanken, so Papa Carlos Haus zu finden.
Viele von Burattinos weiteren Abenteuern sind jedoch abgeleitet von Collodis Pinocchio, um in Tolstois Geschichte zu passen.

Die gröbsten Abweichungen von der Collodi Geschichte

In der Geschichte von Burattino gibt es das hübsche Mädchen mit den blauen Haaren. Sie heißt Malvina (Мальвина)und ist eine andere Marionette aus dem Karabas Theater.
Von dort floh sie vor den Grausamkeiten des Puppendirektors und lebt nun mit ihrem Hund Artemon (Артемон) im Wald.
Malvina tritt etwas überfürsorglich und weniger sympathisch auf als die Fee in Collodis „Pinocchio“, dennoch freundet sie sich schließlich mit Burattino an.
Sie ist eine resolute, beherzte Puppe, die den ungehobelten Burattino erziehen will. Heimlich schwärmt sie für Pierrot.

Pierrot (Пьеро) ist schwer verliebt in Malvina und ein gefühlvoller trauriger Dichter. Auch er ist eine Holzpuppe und spielt im Puppentheater von Karabas-Barabas mit.

Karabas Barabas (Карабас-Барабас) ist der böse Puppenspieler. Er besitzt ein Puppentheater mit vielen Marionetten, einschließlich Malvina, Pierrot und Harlekin.

Harlekin (Арлекино) ist Pierrots Szene-Partner im Karabas Theater. Er muss Pierrot auf der Bühne Kopfnüsse geben, damit dieser verspottet wird.

Alice die Füchsin(Лиса Алиса) und Basilio der Kater (Кот Базилио) sind zwei listige Betrüger, , die Burattino seine Münzen klauen wollen.

Tortila die Schildkröte (Черепаха Тортила) gibt schlussendlich Burattino das goldene Schlüsselchen, welches sie im Teich versteckt hielt. Es ist der gleiche Schlüssel, den Karabas einst verlor und der zu Papa Carlos Geheimtür passt.

Duremar (Дуремар) ist der Partner von Karabas Barabas und genauso unfreundlich wie dieser.

Tolstoi lässt die meisten Details aus der Geschichte von Pinocchio weg, die im 20. Jahrhundert zu grausam oder auch unmoralisch gewesen wären. Dazu zählen beispielsweise die verbrannten Füße von Pinocchio oder das schwarze Kaninchen, dass einen Sarg trägt. Auch die Episode vom Land der Spielereien oder das Verschlucken durch einen Hai kommen in Burattino nicht vor.

Anders als Pinocchio in der ursprünglichen Geschichte hält Burattino nicht viel von „richtigem“ Benehmen. Er ist eine freche, aber weitaus freundlichere und gewitztere Holzpuppe als Pinocchio.
Auch wird er kein echter Mensch. Burattinos Nase wächst außerdem nicht, wenn er lügt im Gegensatz zu Pinocchio.

Tolstois Burattino ist ein kleiner Nonkonformist, für den es am Ende immer gut ausgeht.
Fast scheint es, als würde er für sein freches Benehmen belohnt. Im Finale sehen wir ihn in einem neuen Marionetten-Theater von Papa Carlo spielen.

Für Tolstoi war es offensichtlich von großer Bedeutung, dass die Holzpuppe kreativ ist und nie so richtig erwachsen wird.

In dem Sinne eine schöne Rest-Woche,

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