Alarmstufe Rot in deutschen Kindergärten – verzweifelte Zeilen einer Mutter

Lesezeit: 4 Minuten

Ich brauche dringend einen Rat über die derzeitige Situation unserer Tochter.

Sie geht seit Juno 2013 in den Kindergarten, wurde in diesem Monat auch drei Jahre alt. Sie ist in der Einrichtung in einer sogenannten altersgemischten Gruppe untergebracht, in der 15 Kinder 5 Jahre alt sind, ein Kind 4 und sie als einzige drei Jahre. Vorher war sie drei Jahre zuhause, mit regelmäßigem Kontakt zu Kindern der Spielgruppe (einmal wöchentlich) und stundenweiser Betreuung in einer Kita. Sie ist also sozialisiert, allerdings hatte sie bisher wenig Kontakte zu Gleichaltrigen.

Und so ist es auch jetzt. Sie kennt wenig soziale Interaktion mit Kindern in ihrem Alter und weiss z. B. von sich selber nicht, dass sie sehr gut sprechen kann, und in vielen Dingen sehr weit ist. Generell haben wir als Eltern kein Problem mit altersgemischten Gruppen, weil wir dachten, sie lernt durch die Größeren.

Nun ist sie aber zuhause sehr traurig, wütend und unausgeglichen. Sie sagt von selber, dass ihr der Kindergartenalltag “zu viel” würde und ob ich sie nicht immer mittags abholen könnte. Ihr gefalle es dort, aber es ist ihr “alles zu viel”. Auf die Frage was ihr zu viel sei, sagt sie, „die großen Kinder“. Das kann ich auch sehr gut nachvollziehen, denn sie erstarrt beispielsweise, wenn die großen Jungens sich kabbeln und rangeln. Sie ist aufgrund ihres Alters den Kindern in der Gruppe körperlich und verbal unterlegen. Sie wöllte lieber in die Gruppe nebenan. Ich habe mir heimlich mal die Gruppe nebenan angeschaut, dort sind 2,5 – 3 jährige Kinder.

Sie isst neuerdings zuhause nicht mehr mit Messer und Gabel, denn ihre Erzieherin habe gesagt, dafür sei sie noch zu klein. Sie weint neuerdings, wenn sie pullern muss, weil sie der Ansicht ist, sie schaffe es nicht, ihre Latzhose alleine auszuziehen. Ich sagte ihr, sie könne mich doch um Hilfe bitten, vor allem hier bei uns zuhause, so wie sie es “früher” auch gemacht hat. Ihre Antwort: Meine Erzieherin hat gesagt, große Kinder müssen das alleine bringen oder keine Latzhosen mehr anziehen. Sie zieht seit gut einer Woche keine Latzhosen mehr an, weil “die Erzieherin das nicht mag”.

Sie malt Bilder nicht zu ende, obwohl diese toll aussehen und sie immer sehr gern gemalt hat. Sie malt schon Gesichter und Häuser. Sie zerknüllt zuhause die Bilder oder zerreißt sie mitten im schönen Malen mit der Begründung “Das sieht nicht schön aus, ich kann nicht schön malen”. Zähne putzt sie nicht mehr selbständig, dafür sei sie zu klein, und mit Bausteinen baut sie Flugzeuge und macht sie dann kaputt, das sähe alles nicht toll aus.

Sie spuckt und kratzt mich neuerdings aus einer Laune heraus, zerrt an den Haaren, tritt nach mir, sagt ich sei blöd und böse und sie würde die Polizei holen, damit sie mich aus der Wohnung brächte (???), sie bricht zusammen, weint bitterlich, nuckelt an ihrem Kuscheltier, kommt dann zu mir und drückt mich.

Tausend Fragezeichen für mich als Mutti. Wir haben sie immer gefördert und ein gutes Vertrauensverhältnis geschaffen, sie als kleine Persönlichkeit gesehen und ihre Meinung wichtig genommen, aber auch gut und konsequent erzogen. Sie isst mit Messer und Gabel seitdem sie zwei Jahre alt ist. Im Kindergarten dürfen Kinder aber erst mit 4 Jahren mit Messer und Gabel essen. Trotzphasen hatte sie mehr als genug, da sie auch sehr selbständig ist und immer recht selbstbewusst (war), klar gab es auch mal Tränen oder Wutausbrüche. Aber so wie jetzt, war es noch nie. Das Vertrauen in uns scheint weg zu sein!??

Ich bin der Ansicht, dass meiner Tochter die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen sehr fehlt. Sie weiss nicht, was los ist und ist orientierungslos (so kommt es mir vor). Zur Zeit nehmen sie im Kindergarten den Knochenbau eines Menschen durch und beginnen mit Nüssen zu zählen und Silben zu klatschen. Für unsere Tochter ist keine altersgemäße Anregung dabei. Das Konzept im Kindergarten ist eher geschlossen, d. h. wenig Kontakt mit anderen Gruppen, außer auf dem Freigelände, ansonsten jede Gruppe für sich.

Sie redet im Kindergarten nicht mit anderen Kindern, wehrt sich aber heftig, wenn ihr über den Kopf gestreichelt wird oder sie ungefragt ins Gesicht geküsst wird, zur Not mit lautem Schreien und auf den Boden werfen. Mit der Erzieherin redet sie auch nicht. Spiele wie „mein rechter, rechter Platz ist leer“, spielt sie nicht mit, sitzt nur da oder macht, was die Erzieherin sagt (du musst nun dort hingehen und dich hinsetzen). Sie singt mit mir zuhause und dann spielen wir alle Spiele nach. Sie lernt unglaublich schnell alle Texte.

Zuhause hat sie extreme Trotzphasen, sie probiert sich aus wie nie zuvor, leider wie oben beschrieben sehr drastisch. So extrem erst seit sie in den Kindergarten geht. Ich bin furchtbar traurig. Mit Erzieherin und KiGa- Leitung habe ich geredet, sie auf die Verhaltensweisen aufmerksam gemacht und auch gefragt, ob der Entwicklungssprung nicht zu hoch sei und dass ich sie lieber in einer Gleichaltrigen-Gruppe hätte oder aber wenigstens zusammen mit einem anderen Kind in ihrem Alter.

Das ist unmöglich, kein offenes Ohr, alle Kapazitäten voll ausgereizt, keinerlei Möglichkeit, die altershomogene Gruppe von Dreijährigen zu splitten oder sie in eine jüngere Gruppe zu geben. Die Kinder würden so, wie sie von den Wartelisten kämen, in Gruppen “gesteckt”, die Leitung wäre mit der Koordination überfordert, sie wisse nie, wieviele Kinder in welchem Alter kämen, das wäre überall so und normal.

Zu unserer Tochter wurde sich nicht weiter geäußert, ob es ihrer Entwicklung guttäte oder schade, in der Gruppe zu sein sei eindeutig: altersgemischte Gruppen haben nur Vorteile in jeder Hinsicht, sie würde von den Großen lernen und es würde sie bereichern. Wegen dem Verhalten, was zuhause auftritt “müsse man über längeren Zeitraum beobachten”, sie befände sich noch in der Eingewöhnung, ihr Trotzverhalten sei normal, dass sie so gut redet (und mir zuhause alles berichtet), wurde mir nicht abgekauft… und jedes Kind müsse erst einmal lernen, sich zu integrieren, seine Rolle zu finden.

Bitte helfen Sie mir, was ich tun soll, wo ich mich hinwenden kann. Ich habe ein sehr ungutes Gefühl, sehe es als sehr kritisch, und bin sehr besorgt. Sie geht gern in den Kindergarten, sie ist Feuer und Flamme für die Erzieherin und sie ist ganz doll enttäuscht von sich selber. Wir als Eltern wissen nicht mehr, wie wir es richtig machen – das Gefühl zeigt auf Alarmstufe Rot. Sie fällt uns möglicherweise hinten runter. Danke fürs Durchlesen!

Schockierende Grüße aus dem Alltag kleiner Kinder in Deutschland!

asti

P.S. Wer nachlesen möchte, was aus der Entwicklung unserer Tochter wurde, kann gern in die Kategorie selektiver Mutismus switchen.

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3 comments

    1. Darum geht es in meinem Beitrag jedoch nicht, denn unsere Tochter wollte gern Kontakt zu Gleichaltrigen finden. Abgesehen davon bin ich weder für das eine noch das andere – oder dagegen. Es kommt immer auf das jeweilige Kind an, deshalb ist ein kompetentes Beobachten angesagt. Trotzdem danke.

  1. Pingback: Mrs. Eastie

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