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Die Verlustangst ist ebenfalls eine Form von Bindungsangst.
Um ein Gefühl der Verlustangst zu entwickeln, muss man zunächst das Gefühl der Bindung kennen. Angesichts der enormen gesellschaftlichen Bewegungen heutzutage (Flexibilität und Mobilität als Werte unserer Leistungsgesellschaft) bedeutet eine Bindung an einen anderen Menschen immer auch das Risiko, den Verlust desselben zu erfahren.
Bei manchen Menschen führen Verlust Erfahrungen in der Kindheit zu einer solchen inneren Leere, dass sie nicht mehr bereit sind, durch das Eingehen von Bindungen weitere Verluste zu riskieren.
Wenn ein Mensch eine Bindung eingeht, so lässt sich diese bestimmen als der Lernprozess, gegenüber einem anderen Menschen Vertrauen aufzubauen. Dieses Vertrauen ist die Grundlage, um eine dauerhafte Beziehung mit wechselseitiger Verantwortung auf freiwilliger Basis aufrechtzuerhalten.

Urvertrauen in der Kindheit

Die erste Bindung zwischen Mutter und Kind dient als Modell für die spätere Entwicklung. Gelingt diese Beziehung nicht oder kommt es zu einer für das Kind schmerzhaften Trennung, bleibt immer eine Angst vor Abhängigkeit und damit Nähe und Bindung bestehen.
Ursprünglich werden Menschen von einem Bedürfnis nach Nähe bestimmt. Lässt sich dieses Bedürfnis nicht erfüllen, wird der Schmerz darüber verdrängt. In extremen Fällen wird das Nähebedürfnis vom eigenen Ich abgekoppelt, um die verletzte Psyche zu schützen. Damit scheint der Wunsch nach Nähe kontrollierbar zu sein, und auch mögliche Abhängigkeitsängste werden so unter Kontrolle gebracht.
DAS äußert sich häufig in einer Neigung zu Eigenbrötelei und im unzureichend ausgeprägten Verantwortungsgefühl gegenüber Sozialpartnern (Familie, Freunden). Oft besteht auch eine Neigung zum häufigen und schnellen Wechsel von Bezugspersonen, zu denen meistens auch nur flüchtige und kurzzeitige Kontakte bestehen.

Wie wird Verlustangst erlebt?

Üblicherweise setzt Verlustangst eine Bindungsfähigkeit voraus, kann also auftreten, wenn eine bestehende Bindung gefährdet erscheint, z.B. durch einen Dritten. Oft drückt sich dann Verlustangst durch Eifersucht aus, hat also mit einem labilen Selbstwertgefühl zu tun.

Wie drückt sich dies in der Sexualität aus?

Da die Sexualität zwar die am stärksten bindende Kraft in einer Partnerschaft ist, gleichzeitig aber oft als abgespalten von Liebe und sonstigen stabilisierenden Faktoren der Partnerschaft gelebt wird, kann die Bindungsfunktion oft nicht aufrecht erhalten werden. Gerade hier wird die Zwiespältigkeit der Nähe-Distanz-Balance am deutlichsten, sodass Störungen der partnerschaftlichen Bindung sich meistens zuerst in der Sexualität zeigen, z.B. durch Angst vor oder Vermeidung von Nähe.

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Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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