Blogs werden total unterschätzt. Die neuen Medien.

 
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Ich bin seit einer gefühlten Unendlichkeit im Netz unterwegs.
Damit meine ich nicht heute oder gestern oder vorgestern.
Sondern seitdem das Internet sich Stück für Stück in Deutschland durchgesetzt hat, bin ich fast von Beginn an dabei.
Als es noch die Flatrate-Stunden via CD-Rom gab – manche erinnern sich vielleicht an AOL mit ihrer Einwahlsoftware für das quietschende, alien-artige Töne ausspuckende Modem im Flur – jubelte ich innerlich, wie toll es werden würde, sich mit anderen auszutauschen.
Mit Menschen in Kontakt zu treten, zu kommunizieren und diskutieren ist eines meiner wesentlichen Charaktermerkmale. Warum ich damit ausgestattet wurde, ist wohl die große universelle Frage, denn ich habe im Laufe meines Lebens feststellen müssen, dass es vielen anderen nicht so geht.
Bis dahin war es tatsächlich ein weiter Weg, der mich sehr oft auch einsam machte. Mitgestalten und verändern wollen, sich mit Leidenschaft für etwas einsetzen, kreative und innovative Wege gehen wollen – das ist manchen zu anstrengend!
So gegen das Jahr 2001 (da war ich 24 Jahre alt) zog im südlichen Brandenburg in mein Wohnzimmer das Internet ein und ich freute mich sehr über die Chats und Foren zu den verschiedensten Themengebieten.
Zu dieser Zeit waren die meisten jungen Leute bereits aus der Region und dem gesamten Osten abgewandert und einen richtigen Freundeskreis gab es nicht mehr.
Ich empfand es demzufolge als großen Zugewinn an Lebensqualität, mich endlich wieder richtig gut unterhalten zu können und wenn es über das Internet war. In meiner Umgebung hatten damals viele Leute noch nicht einmal einen PC, geschweige denn Internet.
Doch zurück zum Bloggen.

Blogger wollen informieren

Es gibt schon fast so lange Blogger, wie es das Internet gibt. Sehr kommunikative Menschen sind bereits in der geschilderten Anfangszeit auf den Zug aufgesprungen und haben das virtuelle Schreiben zu ihrem Beruf gemacht.
Noch viel mehr Blogger waren aber hobbymäßig unterwegs.
Während sich die einen technischen Themen widmeten, stellten andere ihre Haustiere vor und wieder andere schrieben über ihren Alltag. Ich persönlich fand das damals schon sehr interessant und stöberte gerne in den Lebenssituationen mir wildfremder Menschen herum.
Mit der Zeit wurden aus den Hobby-Tagebüchern vieler Blogger richtig professionelle Webseiten mit hohem Informationsgehalt und vor allem sehr individuellen Themengebieten.
Die Beauty-, Lifestyle-, Koch- und Mamablogs traten hervor und perfektionierten sich bis zum neuen Berufsfeld “Blogger”.
Doch eines ist allen Bloggern gleich geblieben: Sie wollen andere Personen mit ihren Themen erreichen und darüber informieren. Manch böse Zunge behauptet, es handle sich hier ganz einfach um übersteigertes Geltungsbedürfnis und das Lechzen nach Aufmerksamkeit. Ich persönlich finde, damit wird Bloggern Unrecht getan.

Ist Bloggen notwendig?

Spätestens seit dem Film “Elternschule” im Kino, der einen großen Aufschrei durch einige Nischen der Blogosphäre auslöste, (im Gegensatz zur Lobhudelei einiger Mainstream-Medien!) ist eines gewiss klar:
Blogger haben heutzutage einen recht hohen qualitativen Recherche- und Schreibstil entwickelt.
Zwar sind bei Weitem nicht alle Blogs auf hohem journalistischem Niveau, jedoch sollten wir Blogger auch nicht unterschätzt werden.
Viele exzellente Stöbernasen stochern in Themen herum und bereiten diese inhaltlich sehr sauber auf, sodass hier schon von investigativem Journalismus gesprochen werden kann. Vielleicht sollte der Begriff “investigativer Blogger” lauten, denn zu bloggen ist eine ganz besondere, individuelle Art, Informationen zusammenzutragen und mit den klassichen Medien nicht wirklich vergleichbar.
Während regionale Tageszeitungen oder Fernsehformate nach bestimmten Richtlinien funktionieren und eine gewisse Zielgruppe ansprechen, so dürfen sich Blogger in ihrer Schreibarbeit einiges mehr leisten.
Sie dürfen über Grenzen gehen, knallbunt, verrückt und frech sein. Sie können neue Wege aufzeigen und alte Muster durchbrechen – denn der große Vorteil eines Bloggers gegenüber klassischen Medien ist seine ausgeprägte Individualität.
Die Zielgruppen, die hier angesprochen werden, sind unter Umständen jünger, kritischer, kreativer und fokussierter.
Außerdem finanzieren sich Blogger auf anderem Wege und sind somit unabhängiger in ihrer gesamten Meinungsbildung.
Heutzutage sind Blogger im deutschen Netz nicht mehr wegzudenken und wirken maßgeblich auf Ansichten und Weltanschauungen ein.
Somit gehört das Bloggen für meine Begriffe in die neue, sich entwickelnde Medienwelt und sollte dementsprechend ernst genommen werden.
Der Deutsche Journalistenverband hat sich dem auch ein Stück weit geöffnet und unterstützt Blogger mit Spürnase und Know How in der Medienbranche viel mehr als noch vor ein paar Jahren.
Das ist meiner Ansicht nach auch der richtige Weg, da die Medienvielfalt in einigen ländlichen Gegenden leider nicht so groß ist, wie es vielleicht sein sollte.
Und so manches regionale Medium parteiischer berichtet – als es sollte.
Hier können gut ausgebildete Blogger durchaus auch in eine Nische von lokalen Themen springen.
Doch Blogger bleibt Blogger und spiegelt immer einen Hauch von Einzelkämpfertum wieder.
Für die Gegendarstellung braucht es dann wahrscheinlich in derselben Region einen zweiten Blogger, der eine andere Sichtweise vertritt.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Medienlandschaft diesbezüglich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Da geht noch was!

Warum sollte ein Bürgermeister deinen Blog lesen? Wird er wohl nicht!

Eine kleine Anekdote zum Schluss möchte ich euch nicht vorenthalten.
Blogger werden trotz ihrer exzellenten Arbeit oft noch sehr stiefmütterlich behandelt und sind im Allgemeinen bisher nicht in das allgemeine Bewusstsein der Gesellschaft vorgedrungen.
Obwohl es schätzungsweise 330.000 Blogs in Deutschland gibt und die Plattformen für Blogger (wie zum Beispiel WordPress, aber auch andere Content Management Systeme) regelrecht boomen und aus allen Nähten platzen, scheinen vor allem die älteren Generationen nicht viel mit dem Begriff “Blogger” anfangen zu können.
Dabei lesen wir uns jeden Tag kreuz und quer durchs Internet und nach wie vor gibt es eine Menge an neuem Lesestoff zu entdecken.
Zurück also zum Thema: Kürzlich führte ich zum Zweck der Wahrheitsfindung und Recherche ein Telefonat, in dem es um lokalpolitische Themen ging.
Irgendwann drang dann die Aussage an mein Ohr, dass Lokalpolitiker höchstwahrscheinlich keine meiner Artikel lesen (in dem Fall ging es um die Situation der Vorschüler in unsererem Ort), schon gar nicht stellvertretende Bürgermeister.
Es ist ja nur ein Blog. Warum sollte er ihn lesen?
Nun, mich hat es nicht beleidigt, denn ich kenne meine Reichweite im Netz. Zudem weiß ich, dass Medien sich ganz gern Informationen von uns Bloggern holen und auch die Nutzer der sozialen Netzwerke lesen sehr gern, was so im Leipziger Land und anderswo los ist.
Das ist ja das Gute an uns Bloggern, dass wir Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Regionen bieten, die sonst kein Leser hat. Da steht schon ein großer Aufmerksamkeits-Mehrwert dahinter.
Es würde mich nicht wundern, wenn in nächster Zeit Politiker eben doch als Erstes die regionalen Blogs durchstöbern, statt die große Tageszeitung aufzublättern. 😉
Ich kann das nur empfehlen. Aber was weiß ich schon!
Jetzt geht dieser Artikel gleich ins Netz. Er verbreitet sich über die sozialen Netzwerke und ist via Suchmaschinen zu finden. Er bleibt auch drei bis sechs Monate später noch aktuell und kann jederzeit nachgelesen werden.
Wir Blogger haben es irgendwie drauf – oder nicht? 😉
Herzliche Grüße,

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