Das Gesicht der Bindungsangst

 
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Es gibt Menschen, die ihr Leben lang weder selbst Bindungsangst verspüren noch solche Angst bei anderen kennenlernen. Für viele ist dieses Problem dagegen ein wiederkehrendes und beherrschendes Thema.

Es sind nicht mehr nur Männer, die Angst bekommen und davonlaufen, sobald eine Beziehung ernst, das heißt dauerhaft zu werden droht. Auch Frauen sitzt die Angst vor festen Beziehungen im Nacken. Vor allem Jüngere haben heute einen ausgeprägteren Sinn für die eigene Unabhängigkeit.

Manche Frauen fürchten oft ganz zu Recht, in einer traditionellen Ehe, die ihnen wenig Entfaltungsspielraum läßt, “festzusitzen”.
Männer sorgen sich eher, daß ihnen die Rolle des Ernährers und damit die finanzielle Hauptverantwortung für eine Familie aufgebürdet wird.
Manche Menschen sträuben sich dagegen, eine Familie zu gründen, die vielleicht nicht besser funktionieren wird als die ihrer Eltern. Andere zögern bei dem Gedanken an eheliche Treue oder bei der Vorstellung, daß die Liebe ein Leben lang halten soll. Es gibt unzählige Gründe.

Menschen, die nicht auf gesellschaftliches Ansehen, finanzielle Sicherheit und sexuelle Beziehungen verzichten wollten, hatten früher keine andere Wahl als den Gang zum Traualtar.
Heute gibt es mehr Alternativen, besonders für Frauen, und weniger Gründe, Angst vorm Alleinsein zu haben.

Bindungsangst ist eine natürliche Reaktion von unsicheren Menschen auf die Einschränkung der Freiheit, auf die Kompromisse und die zusätzliche Verantwortung, die jede Partnerschaft mit sich bringt. Der Wechsel auf eine verbindliche Ebene setzt voraus, Phantasievorstellungen über Bord zu werfen und den Partner mit allen seinen Fehlern, Schwächen und Marotten zu akzeptieren. Die Betroffenen sind sich keinesfalls immer darüber im klaren, daß sie Bindungsprobleme haben. Sie wünschen sich häufig nichts sehnlicher als eine feste Beziehung. Sie sind oftmals große Romantiker, die einen hohen Anspruch an Liebe und Ehe haben. Auf der Suche nach dem idealen Partner wird ihre hohe Erwartung von der Liebe oft enttäuscht. Sie bedauern, daß das schwebende Gefühl des Verliebtseins meistens endlich ist.

Bindungsangst ist also in “gewissem Maße” normal, wenn man eine große Enttäuschung hinter sich hat oder der Druck der Gesellschaft auf einem lastet. Nicht jeder, der Angst hat, sich fest zu binden, muß gleich den Mut aufgeben. Vielleicht ist einem die richtige Person noch nicht über den Weg gelaufen.

Das gilt vor allem für junge Menschen bis 30.

Was aber ist, wenn man schon fast 35 und älter ist? Langsam merkt man ja doch, daß sich die Beziehungen grundsätzlich in Luft auflösen, im Disaster enden oder gar nicht erst halten!
In diesem fall hilft tatsächlich nur Selbstreflektion. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Jedoch liegt hier entweder eine tiefgreifende Bindungsstörung zugrunde oder die Erwartungen an den Wunschpartner sind so hoch, dass es narzisstisch eingefärbt ist. Auch Angst vor Kontrollverlust oder eine traumatische Angsterfahrung können Gründe für Beziehungangst sein. Ebenso ein Perfektionismus an sich selbst, und die Angst, sich mit allen Macken dem anderen zu zeigen.
Ein Hinterfragen hilft. Das kann einige Zeit dauern. Am besten ist es, seine Gedanken aufzuschreiben. Auch Meditationen können helfen, zu sich selbst zu finden. Manchmal ist allerdings der Gang zum Therapeuten unumgänglich.

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