Der Ton macht immer noch die Musik? Sei nicht höflich, sei verletzend.

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Ich beobachte mit Erschrecken, wie sehr die heutige Zeit dazu einlädt, möglichst aggressive Töne anzuschlagen, sei es im Gespräch mit Freunden oder der Umgangston im Internet.

Im Allgemeinen scheint es heutzutage irgendwie „in“ zu sein, von vornherein verbal einen minimal fühlbaren Angriff zu starten a´la „Noch bin ich lieb, aber ich bin stärker als du – sei gewarnt!“

Zynismus und Sarkasmus ziehen durch die Medien und ich habe den Eindruck, sogar durch mein Alltagsleben. Oberflächliche Floskeln machen sich ebenso breit wie recht ungesunde Ironie, die schon leicht überheblich wirkt und eigentlich kein Grund mehr zum Schmunzeln oder Lächeln ist.

Dabei bin ich selbst ein ironischer Mensch, jedoch vielleicht einer mit ein wenig Taktgefühl und Empathie?
Wenn wir uns unterhalten, dann sollte doch ein gewisser Respekt vor der anderen Person bestehen, denn jeder Mensch hat sein eigenes Werte- Gerüst, seine eigenen Ansichten – die nicht von vornherein abgetötet werden sollten, selbst wenn das Gegenüber verbal „schwächer“ erscheint!

In letzter Zeit weht allgemein ein kalter Wind durch die Gesellschaft. Ob es die Arbeitswelt ist oder aber die vielen Schreckensnachrichten in den Medien, die privaten Probleme, Geldnot, Existenzängste … ja vielleicht spiegelt sich alles das im Zusammenleben wider, möglicherweise sind die Komiker im TV mit ihren abgedroschenen, zynischen Sprüchen ein Indiz dafür, wie ängstlich unsere Gesellschaft in Wahrheit ist. Quasi Angstbeißer.

Anfeindungen sind an der Tagesordnung. Beleidigungen schon fast ein Muss, um zu bestehen. Wie eine Art Rangordnung, wo beim ersten Zusammentreffen klargestellt wird, wer in Zukunft das „Sagen“ haben wird.

Worte können sehr verletzend sein, sie dringen tief in die Seele und das Unterbewusstsein ein und lassen sich nicht ohne Weiteres wieder in positive Sichtweisen umwandeln. So wie ein Lob oder Kompliment uns aufbaut, so tut ein verletzendes Wort weh und raubt uns Kraft.

Und ganz ehrlich – es tut auch einem Dieter Bohlen oder Stefan Raab weh. (Weil es menschlich ist!) Aber sie machen ihren Job und zu diesem Job gehört es, mit Beleidigungen Geld zu verdienen. Wie es privat mit ihnen steht, weiß ja kein Mensch, vielleicht kuscheln sie auch abends mit ihrem Lieblingsteddy oder rufen Mama an, um sich trösten zu lassen. Oder aber sie sind im Privaten bereits die Person geworden, die sie auch in den Medien verkörpern. Dann haben sie sich selber schon längst verloren und wissen gar nicht mehr, wer sie sind. Was im übrigen ja auf viele Menschen zutrifft, die in der Öffentlichkeit stehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Höflich zu sein, ist keine Schande, respektvoll mit anderen umzugehen, auch nicht. Indem über etwas vernünftig geredet wird, lassen sich Lösungen finden – wenn die denn überhaupt gefunden werden sollen.

Manchmal habe ich den Eindruck, es soll eigentlich nur noch dem Frust Platz gemacht werden, der sich innerlich aufbaut, aber wirklich konstruktive Kritik kennen wir doch schon gar nicht mehr. Am besten dem anderen irgend eine Phrase an den Kopf werfen und dann kann derjenige zusehen, wie er damit fertig wird.

Ist ja schließlich sein Problem. Entweder er geht daran kaputt oder er lernt eben, sich damit umzugehen.

Zum Beispiel, indem die Verletzungen einfach heruntergeschluckt werden und sich dann innere Wut, Verzweiflung, Stress oder Angst aufbauen. Gefühle, die im übrigen auch ein Ventil brauchen.

Medien haben übrigens einen riesigen Anteil daran, was wir unserer nächsten Generation an Kommunikationsarten weiter vermitteln. Es sind nicht nur die Eltern, die Einfluss auf ihre Kinder haben. Es ist auch eine gesellschaftliche Verantwortung dahinter, wie jeder Einzelne mit dem anderen umgeht. Und dazu gehören auch die Medien, wie Radio, Fernsehen und Internet.

Es gibt sogar Mediengesetze, in denen festgelegt wurde, welche Art von Kommunikation NICHT geeignet ist, auch visuell. Allerdings wird auch hier mittlerweile eine harte Schiene gefahren, die Kamera auf Leid und Elend richtig „draufgehalten“ – Mord und Totschlag fokussiert.

Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, eine Schönmalerin zu sein. Im Gegenteil. Was hat mich die Heuchelei der letzten Generation genervt. Es war manchmal kaum zu ertragen, wie die älteren Leute sich ihre heile Welt zusammenschusterten und nichts anderes hören wollten. Diskutieren war nicht möglich – im Osten übrigens noch weniger als im Westen.

Als unbequeme Zeitgenossin habe ich immer zu den diskutierfreudigsten gezählt, und das tue ich auch heute noch. Mit dem Strom schwimmen? Ein No Go!

Und es gab sicher Tausend andere, die Protest geschoben haben gegen diese heile Welt der Eltern oder Großeltern.

Doch, das was jetzt hier durch unseren Sprachgebrauch zieht, ist mehr als ein wenig Protest gegen irgendwen.

Vielleicht hat sich dieser „Kommunikationsstil“ ja daraus entwickelt – verbunden mit dem grenzenlosen Freiheitsgefühl der Nachwendezeit, dem Amerikanismus, der vor allem im Musikbereich rüberschwappt, und den Sorgen, die die Deutschen so mit sich tragen.

Oder ist das vielleicht gar kein interkulturelles Problem?

In Deutschland jedenfalls scheint es nach der Devise zu gehen: Geh´gleich zum Angriff über.

Sollte dir die Kreativität für verbale Verletzungen fehlen, schau Dieter Bohlen!

Bring´das auch deinen Kindern bei, sie brauchen keine Wärme, keine mitfühlenden Worte, kein Lob und keine Komplimente. Trainiere sie auf Schlagfertigkeit und bissige Ironie und zeige ihnen, wie sie sich einen dicken Schutzpanzer gegen Verwundungen der Seele zulegen.

Gleiches gilt für dich, falls du zu den Weicheiern zählst, die andere nicht nur ausreden lassen, sondern auch bei irgendwelchen dummfrechen Kommentaren total sprachlos dastehen und nicht wissen, was sie antworten sollen.

Besuch´noch heute einen Kurs, der sich mit NLP oder Selbstbewusstseinstraining beschäftigt, dich verbal fit macht und dich gegen Mobbing schützt – und um Himmelswillen – tu endlich etwas gegen deine Depressionen.

Sei nicht höflich, sei verletzend. (Vorsicht, bissige Ironie!!)

Ich wünsche euch was!

asti

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