Die Sache mit dem Murmeltier oder : Raus aus dem Hamsterrad.

 

Es gab da mal so einen Film, den manche vielleicht noch kennen.
Und täglich grüßt das Murmeltier.
Gefangen in einer Endlosschleife erlebt ein Mann seinen Tag wieder und wieder, bis er sein Verhalten von egoistisch und arrogant in verständnisvoll und mitfühlend umändert.
Das wäre bei so manchem Zeitgenossen in unserem Umfeld auch ganz angebracht.
Seitdem steht diese Murmeltier-Aussage jedenfalls vereinfacht für einen gefühlt immer wiederkehrenden Tag.
Ein Hamsterrad sozusagen, ein langweiliges routiniertes Leben, dass jeden Tag so gleich erscheinen lässt, dass du in deiner Erinnerung später nicht mehr auseinanderhalten kannst, was wann passierte.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da ging es mir auch so.
Mir fehlten Anregungen zum Glücklichsein, ich hatte keine interessanten Begegnungen auf dem Weg zur Arbeit oder sogar im Arbeitsteam. Mir fehlte mein gewohntes soziales Umfeld, welches ich für eine Beziehung weit hinter mir gelassen hatte. Ich konnte mich nicht einleben an dem Ort, den ich doch bewusst und freiwillig für mein weiteres Leben gewählt hatte.

Es beginnt schon beim “Freunde finden”

Für einen erwachsenen Menschen ist es nicht mehr so einfach, in einer fremden Gegend Anschluss zu finden. Auch die Arbeit hilft dabei meistens nicht.
Soviel zu der kruden Theorie, dass Arbeit uns erst wirklich gesellschaftsfähig mache und uns sozial einbinde.
Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Meistens sind Kollegen eben auch irgendwie nur Konkurrenten und je härter der Kampf in einer Gegend um den Arbeitsplatz und beruflichen Erfolg, desto weniger die Chance, in Arbeitskollegen “Freunde” zu finden.
Ich persönlich hatte damals das Glück, ein paar soziale Kontakte über das Arbeitsteam aufzubauen.
Doch sie waren nicht besonders tief und fest. Es gab keine innere Verbundenheit, keine wirklichen Gemeinsamkeiten und auch das regelmäßige “Weggehen” am Wochenende änderte nichts daran.
Wer keine Freunde oder Familie in seiner Umgebung hat, der fühlt sich irgendwann einsam.
Wir Erwachsenen neigen offenbar auch dazu, uns an das zu halten, was wir kennen. Dazu zählt selbstverständlich auch unser Freundeskreis und wer den hat, der lässt ungern neue Menschen hinein.
Ich bin von Grund auf eine recht aufgeschlossene Person, doch wirkliche Freundschaften zu finden, dauert Jahre.
Ganz froh bin ich darüber, dass diese Erfahrungen in der Vergangenheit liegen und ich jetzt – viele Jahre später – auch Freunde gefunden habe.
Allerdings hat es mich noch einmal in eine ganz andere Region mit einem anderen Mann an meiner Seite verschlagen, einem, der zu mir passt.
Und damit sind wir auch schon beim Thema Nummer zwei.

Hamsterrad und Beziehung

Ich habe in letzter Zeit sehr viele Geschichten über Menschen gelesen, die deprimiert bis depressiv sind. Sie leiden unter Antriebslosigkeit, tiefer – scheinbar unbegründeter – Traurigkeit, Kopfschmerzen und Unzufriedenheit.
Die einen leiden darunter, weil es vielleicht doch eine weiter zurückliegende Ursache innerhalb ihrer Biografie gibt, die versteckt im Unterbewusstsein herum rumort und verarbeitet werden will.
Andere haben den richtigen Partner, werden aber auf Arbeit gemobbt oder sind überlastet.
Es gibt manche traurigen Menschen, die einen Partner an ihrer Seite haben, jedoch offenbar nicht den Richtigen.
Generell tun uns Freunde gut, mit denen wir uns unbeschwert und frei fühlen. Dasselbe gilt natürlich auch für den Partner. In einer Beziehung können schon recht große Einsamkeitsgefühle entstehen und in so einem Gefühlsgefängnis ist Glücklichsein absolut unmöglich.
Da haben es Singles leichter, jedoch wünschen sich die meisten eine feste Partnerschaft. Ich lese sogar sehr oft, dass der Wunschpartner stützen und schützen soll, Tränen wegküssen, die starke Schulter zum Anlehnen geben und viele andere hohe Erwartungen mehr. Es ist natürlich abzuehen, dass solche idealistischen Vorstellungen nur in der Katastrophe enden können, doch drückt es gleichzeitig aus, wie sich solche Singles momentan fühlen:
Sehr einsam!

So oder so: Wenn ein Tag dem anderen gleicht, dann ist immer Veränderung notwendig

Denn meistens ist das Ganze tatsächlich eine Empfindungssache. Irgend etwas im Leben hängt schief und muss gerade gerückt werden.
Die heutigen Arbeitszeiten tun ihr Eigenes dazu. Es ist sicher schwer, bei Schichtdienst und Überstunden überhaupt regelmäßig soziale Kontakte zu pflegen. Selbst Beziehungen halten so einen Druck oft nicht aus.
Wichtig ist die innere Einstellung zu sich selbst, zum Leben und zum Glücklichsein.
Um ein gutes Gleichgewicht zu halten, sind Ausgleiche wichtig.
Der eine malt oder liest, der andere hat Gärtnern als Hobby, Sport oder sogar Bloggen. 😉
Kinder spielen eine ganz wichtige Rolle. Hier kommen noch etliche Bedürfnisse mehr dazu, die gestillt werden wollen und nicht nur die eigenen. Doch Familie gibt immer auch die Chance, konstante und erfüllende Beziehungen aufzubauen.
Wir dürfen nie aus dem Blick verlieren, dass das innere Gleichgewicht, die Kontakte zu anderen und die jeweilige Lebenssituation zusammen ein Gefühl von Zufriedenheit oder aber Traurigkeit und Niedergeschlagenheit ergeben.
Tapetenwechsel sollten auf jeden Fall hin und wieder sein.
Selbst bei kleinem Geldbeutel, bei dem Gefühl von Einsamkeit und Trauer oder bei allgemeiner Erschöpfung und Antriebslosigkeit helfen Ortsveränderungen. Manchmal tut es bereits ein Spaziergang im Park – Hauptsache raus!
Nicht verkriechen!

Hamsterräder haben immer Ausgänge und Murmeltiere sind zähmbar

Als ich damals meinen großen Zusammenbruch hatte ( zu lesen unter anderem hier), der übrigens kam, nachdem ich mich von dem damaligen Partner getrennt hatte, da gab es bei mir eine Art Punkte-Liste, um aus meinem Tief wieder herauszufinden.
Das Schicksal brach über mich herein wie eine Wasserflut und ich wusste nicht, wie ich alle diese Dinge bewältigen sollte.
Ganz oben auf dieser Liste stand:
“Auch morgen geht die Sonne auf!”
“Such dir eine Situation pro Tag, die dir richtig gut tut!”
“Versuch nicht für andere perfekt zu sein!”
“Geh jeden Tag einen kleinen Schritt!”
“Nimm dir jeden Tag etwas ganz Kleines vor, aber zieh´es dann auch durch!”
“Es wird definitiv wieder besser!”
Das hat mir sehr geholfen und ich habe mich so Stück für Stück selbst wieder fit gemacht. Das mag nicht jedem sofort gelingen, doch es kann jedem gelingen.
Manchmal sitze ich heutzutage früh um fünf auf dem Balkon, trinke meinen Kaffee und zünde mir ein Teelichtlein an. Ich beobachte, wie die Sonne aufgeht und lächle.
Das ist hier mein neues Leben, von dem ich in der Hamsterrad-Zeit niemals gedacht hätte, es jemals zu leben.
Und doch hat es funktioniert: Mit meiner besseren Hälfte, unserer wundervollen Tochter, unserem frechen Riesendackel und einer redefreudigen, verschmusten Miezekatze in einer wunderbaren Gegend zu wohnen, ist für mich das Nonplusultra.
Es lohnt sich, andere Blickwinkel einzunehmen, sich Mut zu machen und sich zu sagen, dass man es schaffen kann! Zu jeder Zeit!

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