Ich blogge, also bin ich. Die besten Geschichten schreibt das Leben.

 
Lesezeit: 4 Minuten

Das wird ein reiner #Mimimi und Ausheulbeitrag!
Emotional, wahrscheinlich nicht fair, vielleicht einfach nur so ein Aufreger des Tages.
Dabei habe ich heute nach getaner Arbeit bereits meditiert.
Ich brauche das einfach, weil ich mein inneres Gleichgewicht halten möchte.
Ihr habt keine Ahnung, wie das ist, so schrecklich (hoch)sensibel zu sein.
Ginge es nach mir, würden alle Erwachsenen nett und zuvorkommend miteinander umgehen.
Es gäbe überall eine gepflegte Gesprächskultur und es würde Gänseblümchen regnen.

Warum so ruppig?

An der Schule unseres Kindes ist es so:
Im Frühling, wenn es warm wird und sie mit Sandalen oder vergleichbarem leichten Schuhwerk frühmorgens losgehen, brauchen sie die Sandalen nicht zu wechseln, sondern dürfen sie anbehalten.
Das ist in vielerlei Hinsicht praktisch, wobei mir als Mutter es im Grunde genommen wurstegal ist.
Ich meine, es dauert ja nicht lange, sich Hausschuhe anzuziehen und ist unserem Kind natürlich zumutbar.
Wenn allerdings diese Regelung so gilt (außer es regnet) und dasselbe auch im Hort, ja dann ist es doch ok.
Sehr tückisch dabei ist, dass Kind eben nicht rechtzeitig merkt, wenn diese vorhandenen Hausschuhe nicht mehr passen.
Erfahrungsgemäß dauert es dann auch noch mehrere Tage, ehe diese wichtige Information bis nach Hause in unser Wohnzimmer findet und bestenfalls waren wir Montags erst in Leipzig shoppen.
Wie es die Verkettung von Stress-Momenten so will, hatte unsere Tochter heute in der Schule einen Nachmittagskurs. Ich kam ein wenig zu spät oder vielleicht war sie auch früher als geplant fertig, jedenfalls musste sie kurzfristig in den Späthort gehen.
Die restlichen Kinder sammeln sich in einem Raum – vor allem bei schlechtem Wetter 😉 – und verbleiben dann dort.
Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Sie sollten sich die Hausschuhe anziehen.
Nun stellt euch vor, eine tiefenentspannte Mutter kommt glückselig in die Schule, durchsucht das Gebäude nach dem Kind, findet es im Späthort, in den sie sonst ja nie geht und statt einem “Hallo” von Seiten der Hortnerin kommt ein

“Sie braucht aber dringend Hausschuhe!”

Ja, denke ich mir, Ihnen auch einen guten Tag und antworte
” Ich dachte, die Kinder dürfen leichtes Schuhwerk den ganzen Tag tragen!”

“Dann geht unser Fussboden kaputt, es muss gewechselt werden. Achten Sie darauf, dass sie morgen Hausschuhe dabei hat! Vor allem, wenn es regnet!”

“Ja tut mir leid, ich habe es leider auch gestern erst erfahren, dass sie zu klein sind! Aber diese Woche wird es leider nichts mehr!”

Das unfreundliche Gesicht der Hortnerin sagt mir alles.

Ja, da macht sie große Augen!

Wegen fünf Minuten Späthort werde ich ganz sicher nicht heute noch Hausschuhe kaufen fahren.
Leute, auch bei uns kommt es vor, dass wir sehnsüchtig auf den Zahltag am Montag warten. Auch bei gut situierten Familien fällt ab und zu ein TÜV an, muss ein Gartenzaun erneuert und neue Frühlingsklamotten für die Tochter besorgt werden (und eigentlich auch für uns).
Und ja, es gibt auch Familien, bei denen mindestens einer Schichtarbeiter ist und mittags in die Spätschicht fährt und der andere aufgrund des Morbus Crohns eben nicht gleich kilometerweit fahren kann, um Hausschuhe zu kaufen. Wo weder Großeltern noch sonstige Bekannte zum Kinderhüten in der Nähe wohnen!
Und den ganzen Aufwand für einen Späthort, in den sie eigentlich gar nicht geht!
Nein, ich habe keine Lust, das mit jedermann überall auszudiskutieren.
Eine Mutter fühlte sich aber irgendwie dazu berufen, mir mit Rat und Tat beiseite zu stehen.
Der Tipp war, gleich heute noch die paar Kilometer in die nächstgelegene Stadt zu fahren und dort die Hausschuhe zu kaufen.
“Nein, heute habe ich dafür absolut keine Zeit” sagte ich ihr und wurde zum zweiten Mal an diesem Tag mit riesengroßen Augen angeschaut.

Wie kann ich nur, nicht wahr?

Ich hätte ihr erklären können, dass unsere Tochter zu allem Überdruß auch noch an taktiler Überempfindlichkeit leidet. Sie zieht nicht alle Klamotten an und schon gar nicht alle Schuhe! Es ist ihr da zu eng und zwackt dort, kratzt, drückt, sticht oder was es sonst noch so an Empfindungen auf einer sensiblen Haut gibt!
Nein, sie ist nicht autistisch (die Frage kam vor Jahren auch schon aus dem Umfeld, als ich noch naiv und gutgläubig unsere “Probleme” mit ahnungslosen Müttern problemloser Kinder besprach). Aber selbst wenn sie es wäre, spielt das alles keine Rolle.
Es ging mir einzig und allein um diese ganze Problematik. Es ging darum, wie mit mir geredet wurde, und ich habe mich darüber geärgert. Ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin, deren vernachlässigte Tochter noch nie in ihrem Leben gottverdammte Hausschuhe in der Schule hatte.
Und ich kam mir vor wie die oberextreme Rabenmutter, die gegen jede andere gewissenhafte Mutter absolut schlecht abschneidet, weil sie heute andere Prioritäten hat.
Wegen dieser dämlichen Hausschuhe.
Ich werde träumen von Hausschuhen und tiefenentspannt bin ich auch nicht mehr.

So. Nun sind alle Missverständnisse öffentlich aus dem Weg geräumt.
Ich fühle mich drei Tonnen leichter und morgen hole ich unser Kind gleich von dem Raum ab, in dem sie nachmittags ihren Kreativkurs hat. Damit wir einen riesigen Bogen um den strengen Späthort machen können.
Mein Mann würde wahrscheinlich schmunzeln und mich beruhigen.
Männer sind da irgendwie lockerer. Doch er ist malochen und hätte vermutlich für “sowas” heute auch gar keinen Kopf frei.

Ich wünsche euch jedenfalls einen tollen Mittwoch Abend ohne Hausschuh-Thema,

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Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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