Ansichten & Denkweisen

Die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung

 
Lesezeit: 2 Minuten

Ich habe einige Nächte schlecht geschlafen und komme einfach nicht dahinter, warum.
Im Grunde sind wir eine tolle kleine Familie ūüĎ™ mit einem wirklich guten Leben. Das ist etwas, was ich nach den vielen Strapazen durch meinen schweren Morbus Crohn besonders zu sch√§tzen wei√ü.
Damals – nach pl√∂tzlichem Ausbruch der Erkrankung – war ich in einen Strudel von Sorgen, Kummer, Obdachlosigkeit und sozialen Abstieg geraten. W√§hrend ich im k√ľnstlichen Koma lag, verlor ich meine Wohnung, meinen Job und meine Fitness.

Ihr glaubt gar nicht, wie mich das geprägt hat. Damals war ich gerade mal 30 Jahre alt und hatte mein Leben eigentlich noch vor mir.
In einigen Beiträgen habe ich den schweren Schicksalsschlag begonnen, zu verarbeiten.
Doch jetzt geht es uns gut. Meine Eltern haben mich damals aus dem Sumpf gezogen. Sp√§ter lernte ich meinen Lebenspartner kennen, der mich hielt und st√ľtzte. Wir haben eine kleine Tochter bekommen und wohnen heute in einer tollen Gegend.

Jedoch die schweren Zeiten gehen nicht spurlos an einem vorbei.

Es war eine regelrechte Gängelei von Jobcenter, Krankenkasse, Rentenversicherung und Vermietern auch während meines langwierigen Genesungsprozesses.
Nat√ľrlich ging es darum, mich wieder salonf√§hig zu machen, arbeits- und gesellschaftsf√§hig. In so einer Prozedur √ľber mehrere Jahre gefangen zu sein, gibt dir einen anderen Blick auf das Land und seine M√∂glichkeiten.
Du staunst, wie du vorher funktioniert hast bis zum Umfallen, wie schnell du absteigen kannst in diesem System und wie wenig echte Hilfe du hast, um wieder auf die Beine zu kommen. Es gibt nur Sanktionen und Druck, Begutachtungen und Anträge, Wiedereingliederungsmaßnahmen und Chancenlosigkeit.

Die Zeit war sehr hart und kaum seelisch auszuhalten.

Plötzlich merkst du, in welchem Hamsterrad du dich bewegst und willst eigentlich nur noch weg. Ganz weit weg.
Diese äußere Fremdbestimmung hat mich sehr geprägt. Ich bin schon immer sehr nach Autonomie bestrebt, jedoch dass war wie ein Korsett um dein neues Leben, es nimmt die Luft zum Atmen und die Kraft zum Denken.
Die gro√üe Frage f√ľr mich war und ist seitdem, was wir als Menschen wert sind. Ohne Geld leider nichts.
Keiner von uns darf ohne Geld √ľber sich selbst entscheiden. Niemand. Das macht Angst.
Wir haben keine Selbstbestimmung, in keinem Teil unseres Lebens. Schon gar nicht ohne Geld.

Was genau ist die Menschenw√ľrde, von der alle reden? Wo wurzelt sie und wie definiert sie sich?

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Autor

Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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