Eier, Kreuz und Hase. Der Ursprung von Ostern.

 
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Bald ist es wieder soweit.
Der Osterhase versteckt viele bunte Ostereier, Familien treffen sich zum Osterspaziergang und die Christen begehen den Tag feierlich mit Kirchgang.
Doch wo liegt der Ursprung von Ostern und warum feiern wir es?
Schon allein die Herkunft des Namens “Ostern” ist nicht einheitlich geklärt.
Einige Thesen besagen, dass er sich von einer heidnischen Fruchtbarkeits-Göttin namens Ostara ableitet.
Sie soll die Frühlingsgottheit der Germanen gewesen sein.
Eine andere Bezeichnung für eine Göttin des Frühlings ist Eostre aus dem angelsächsischen Raum.
Andere halten dagegen, dass es diese zwei gemanischen Göttinnen mit diesen Namen überhaupt nicht gab.
Ostara wäre eine reine Spekulation und Erfindung von Jakob Grimm (Gebrüder Grimm)
Wo könnte der Ursprung des Namens aber sonst liegen?

Im Osten geht die Sonne auf. Auferstehung des Morgenlichtes

Eine schlüssige Erklärung für den Begriff Ostern im mittel- und süddeutschen Raum könnte sein, dass das Wort Ostern im altgemanischen Austrō > Ausro für „Morgenröte“ zu finden ist und sich im Altenglischen vielleicht zu Ēostre, Ēastre weiterentwickelte.
Später könnte daraus im Althochdeutschen ōst(a)ra, ōstarun geworden sein.
Der althochdeutsche Wortstamm ōstan, übersetzt  “Osten”, deutet auf die Geburt des Lichtes zur Wintersonnenwende hin.
Im Osten geht die Sonne auf, dort beginnt das Strahlen der Sonne nach der langen Winterzeit.
Die Tage werden wieder länger, die Natur erwacht zu neuem Leben.
Unsere Vorfahren europaweit begeisterte dieses Phänomen der Natur so einschneidend, dass sie fröhliche Feste zum Frühlingsbeginn feierten.
An den verschiedenen Bezeichnungen für das Osterfest in anderen europäischen Ländern sehen wir gleichzeitig den Ursprung und die Beeinflussung untereinander.
Nur Deutschland und England nutzen das alte germanische Wort Ostern/Easter.
Ansonsten gehen die Bedeutungen oft auf das Pascha-Fest zurück:
Italienisch Pasqua, spanisch Pascuas, finnisch Pääsiäinen, dänisch Paske, niederländisch Pasen, französisch Pâques
Auch im nordwestdeutschen Raum wurde Ostern bis weit ins Mittelalter hinein Paschen genannt, angelehnt an das hebräische Wort Pessach.

Das jüdische Paschafest

Passah, Pessach und Pascha ist ein jüdisches Fest, bei dem die Flucht der Israeliten aus Ägypten gefeiert wird, nachzulesen im Buch Exodus.

Die christliche Bedeutung

Im christlichen Glauben ist Ostern das Fest der Auferstehung Christi. Drei Tage nach seiner Kreuzigung wird der tote Jesus wieder lebendig, erscheint seinen Anhängern und vereint sich mit dem Gottvater im Himmel.
Die christliche Osterzeit beginnt bereits mit der Fastenzeit am Aschermittwoch und dient der 40-tägigen Vorbereitungszeit zur Auferstehung Jesu Christi.
Nach dem ausschweifenden Feiern zum Karneval / Fasching soll in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern der Aufopferung durch Jesus Christus gedacht werden. Dabei wird gefastet und Buße getan. Die Zahl 40 findet sich symbolträchtig übrigens sehr oft in der Bibel wieder.
Ostern gilt somit als ältester und wichtigster christlicher Feiertag, weil die Kreuzigung und Auferstehung Jesu die Größe und die Macht des christlichen Gottes symbolisiert.
Der bedeutendste christliche Feiertag ist also nicht Weihnachten!
Nach dem Osterfest folgt eine 50-tägige Osterzeit bis Pfingsten.
Im Allgemeinen kann bei den christlichen Osterfeiertagen von diesen Bedeutungen ausgegangen werden:

Gründonnerstag:
letztes Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
(grün leitet sich hier von „grienen“ oder “greinen” ab, was so viel bedeutet wie “weinen”.)
An diesem Tag feiern die zwölf Jünger mit Jesus Christus das Abendmahl. Jesus kündigt an, dass einer seiner Jünger – Judas – ihn verraten wird und Jesus dadurch sterben muss, aber wieder auferstehen wird.

Karfreitag: Kreuzigung Jesu
Am Karfreitag wurde Jesus nach biblischer Erzählung verraten und verurteilt sowie gekreuzigt durch den römischen Statthalter von Jerusalem Pontius Pilatus

Karsamstag: Ende der Fastenzeit

Karsamstag gilt im Christlichen als Grabesruhe von Jesus

Ostersonntag: Auferstehung Jesu
Die Christen glauben, dass am Ostersonntag ihr Heiland wieder auferstanden ist. Er wollte damit den Menschen zeigen, dass es auch ein Leben nach dem Tod gibt an der Seite des Gottesvaters.

Heidnische Ursprünge des Osterfestes. Rad des Lebens

Nicht so leidvoll, voller Trauer und Klagen wie das kirchliche Fest feierten unsere germanischen Vorfahren den Frühlingsbeginn.
Im Frühling erwacht in der Natur das neue Leben, alles sprießt aus dem kargen Winterboden hervor und blüht und wächst. Das war kein Grund zur Trauer, sondern der Freude!
Zu einem der ältesten heidnischen Osterbräuche gehörte, mit immergrünen Zweigen die Häuser zu schmücken.
So sollten die Behausungen vor Feuer und Unwetter geschützt werden.
An vielen Orten wurden die Zweige auch mitsamt den Schalen der Ostereier und den Kohlen der Osterfeuer in den Ecken der Felder eingesteckt oder vergraben. Symbolisch bereitete man sich nun auf den Beginn des Sommers vor.
Im Grunde waren die Bräuche und Rituale der heidnischen Völker immer eine symbolische Nachbildung der natürlichen Zyklen. Unsere Vorfahren hatten noch ein ausgeprägtes Bewusstsein für Tod und Wiederkehr, für Hunger und Nahrung, Wärme und Kälte. Sie waren eins mit der Natur im dem Rad des Lebens und passten sich an die Gegebenheiten an.
Das war überlebenswichtig.
Einem einzigen Gott wurde eher nicht gehuldigt.

Osterfeuer

Große Feuer wurden angezündet, um den Kälte und den Frost zu vertreiben und sich zu wärmen.
Traditionell und nach altem Brauch wurden auch Wintergeister ausgetrieben und verjagt.
Bis heute werden in manchen Gegenden Holz – oder Strohpuppen im Holzstapel verbrannt, die den Wintergeist symbolisieren.
Neudeutsch wird die Puppe vor allem in Sachsen-Anhalt auch „Burning Man“ genannt.

Der Hase und die Eier

Bis in die heutige Zeit erhalten geblieben sind auch Osterhase und Osterei.
Wissenschaftlich gesehen sind die Ursprünge zwar nicht vollständig geklärt, doch wenn alles blüht und grünt, bei den ersten kräftigen Sonnenstrahlen, hoppeln vermehrt Hasen über die Felder und sind die Boten des Frühlings.
Die sonst so scheuen Tiere sind nun viel aktiver unterwegs und lassen sich die Frühlingssonne auf ihr Fell scheinen.
In der vorchristlichen Zeit gab aber auch Göttinnen, wie die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Aphrodite oder die germanische Erdgöttin Holda, deren Symbol der Hase oder das Ei waren.
Hase und Ei stehen aber auch so seit jeher für Fruchtbarkeit und passen somit sehr gut in den symbolischen Frühlingsbeginn und das erwähnte Rad des Lebens unserer heidnischen Vorfahren.
Gerade das Ei als Zeichen für Neubeginn und Wiedergeburt spiegeln sehr gut das Osterfest – ein Fest des Frühlingsbeginns und der Wiedergeburt Jesu.
Übrigens war gar nicht nur der Osterhase Überbringer der Eier.
Es gab auch andere Eierlieferanten, so in einigen Teilen der Schweiz der Kuckuck, in Teilen von Westfalen der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch die Eier und in Böhmen der Hahn.
Das stützt die Theorie des Frühlingsboten!

Österliche Essensrituale

In der Karwoche essen orthodoxe Christen keine tierischen Produkte, wie Milch, Käse, Eier oder Fleisch nach den Vorschriften der Enthaltsamkeit und zu Ehren der Leiden Jesu.
Bei den Katholiken wird nur Karfreitag auf Fleisch verzichtet, Fisch darf jedoch verzehrt werden, weil er nicht unter das Abstinenzverbot fällt.

Osterlamm

Die Herkunft des Osterlamms ist ziemlich einfach herzuleiten.
Das Lamm ist schon seit jeher mit der christlichen Geschichte verbunden, denn es  steht für Wehrlosigkeit und die Unschuld Jesu.
Lämmer wurden oft aus religiösen Beweggründen geopfert.
Zu Ostern war es üblich, ein Lamm zu schlachten und dessen Fleisch weihen zu lassen.
Am Ostersonntag, der symbolisch für die Auferstehung Jesu Christi steht, war dann die erste Speise, die ein gläubiger Christ verzehrte, das geweihte Fleisch des Osterlammes.

Eier bemalen

Woher dieser wunderschöne Brauch kommt, kann nur spekuliert werden.
Da früher alle Christen in der Karwoche keine Eier essen durften, wurden die vielen Eier gekocht, damit sie nicht faulen. Dann wurden sie bunt bemalt und gestaltet. Nach der Karwoche standen sie dann zum Verzehr bereit.
Selbst In Persien war es bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Brauch, sich an diesem Festtag gefärbte Eier zu schenken.

Datum von Ostern

Ostern hat kein festes Datum. Die westliche Kirche orientiert sich beim Ostertermin am jüdischen Passahfest und den Mondphasen.
Somit ist Ostersonntag immer der Sonntag, der dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang folgt.
Der früheste Zeitpunkt ist damit der 22. März, der späteste der 25. April.

Ostern heute

Im Grunde sind alle wichtigen Bräuche des Heidentums und des Christentums miteinander vermischt.
Am Karfreitag wird sich ausgeruht und ein bisschen auf die Völlerei am Wochenende vorbereitet.
Ostersamstag brennen vielerorts die Osterfeuer, um die Kälte und den Frost zu vertreiben.
Der Osterhase malt die Eier bunt an und versteckt sie im grünen Gras.
Ostersonntag werden die Eier dann von aufgeregten Kindern und manchmal auch Erwachsenen gesucht und für die Gläubigen geht es zur Kirche.
Am Ostermontag gibt es einen ausgedehnten Osterspaziergang mit der Familie.
Wir haben es doch eigentlich ganz gut gelöst! 😉
Mittlerweile wird das Fest leider immer mehr kommerzialisiert, was ich persönlich nicht so toll finde.
Es gibt auch riesige Geschenke, die gar kein Osterhase allein mehr schleppen kann.
Manchmal macht es mehr Spaß, jedes einzelne bunte Ei zu suchen 😉

Frohe Ostern 2018 wünscht euch

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