Endlich mutiger werden

 
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Ich wurde zur Bescheidenheit erzogen.
Erstens bin ich ausm Osten und zweitens habe ich eine katholische Erziehung in der Diaspora genossen.
Diaspora ist der Begriff für ein Gebiet, in dem eine konfessionelle oder nationale Minderheit lebt.
In der DDR gab es kaum Katholiken und wenn, dann flächendeckend im Eichsfeld in Thüringen.
Jedenfalls würde ich die gesamte Umgebung meiner Kindheit, sei es nun DDR, später Ostdeutschland oder eben meine katholische Familie als konservativ beschreiben.
Erich Honecker lächelte mir früh von der Klassenzimmerwand entgegen, ihr wisst schon, dieser Typ mit Hornbrille, das Staatsoberhaupt der DDR.
Er ermahnte mich sozusagen, ein guter Jungpionier zu sein, meine Eltern zu lieben, den Frieden zu lieben, mit den Kindern anderer Länder Freundschaft zu halten, fleißig zu lernen, ordentlich und diszipliniert zu sein, alle arbeitenden Menschen zu achten, überall tüchtig mitzuhelfen, Freunden zu helfen, gern zu singen, zu tanzen, zu spielen und zu basteln, Sport zu treiben und den Körper sauber und gesund zu halten.
Nachmittags, zuhause, im Gottesdienst und beim Religionsunterricht kam dann noch eine Salve an Moral oben drauf:
Zorn, Neid, Völlerei, Hochmut, Trägheit und Habgier waren in meinem kindlichen Leben untersagt. In der Pubertät dann auch die Wollust.
Ja, also ich bin, wie ihr seht, ein hoch moralisierter Mensch.
Bescheidenheit, sich klein machen, den Mund halten und mit dem zufrieden sein, was man hat – das begleitete mich mein Leben lang und leider hat es nicht ganz so funktioniert mit der Indoktrination, sodass ich recht zeitig dagegenschoss.
Ich überwarf mich mit meinen Eltern und in der Schule mit den Lehrern. Raus aus diesem stickigen Korsett.
Ich wollte frei sein, ohne Schuldgefühle leben und zu mir stehen können.
Ich wollte mich hübsch machen, beruflich erfolgreich sein und sagen können, was mir wichtig ist.
Heute schreibe ich aus diesem Grund meine Gedanken auf, um jedem Mut zu machen, der sich selbst klein macht und keinen Mut hat, zu sich selbst zu stehen.
Es ist wahrlich keine Schande, beruflich erfolgreich zu sein und auch privat läuft vieles echt besser, wenn man seine eigenen Stärken und natürlich auch Schwächen kennt.
Niemand wird dich dafür bestrafen, wenn du deine Meinung vertrittst und wenn du an deinen Zielen festhältst.
Du musst diesen Schritt zur inneren Befreiung allerdings alleine wagen.
Das hängt von dir ab und von deinem Mut, nicht an irgendwelchen alten, längst überholten Glaubenssätzen festzuhalten.
Du wirst damit auch sehr sicher nicht mehr jedem gefallen. Ab dem Tag, wo du fest zu dir selber stehst, wirst du einige unbequeme Zeitgenossen kennenlernen. Dein Umfeld wird unter Umständen auch nicht mit deinen neuen Verhaltensweisen einverstanden sein.
Das hat damit zu tun, dass wir Gewohnheitstiere sind und wenn sich jemand verändert, dann muss das erst einmal verdaut werden.
Im Grunde ist das jedoch nicht dein Bier. Du wirst in deinem Leben wirklich tolle Leute kennenlernen, die dich unterstützen und fördern, die dir Achtung und Wertschätzung entgegenbringen und die dir natürlich auch ihre Meinung sagen.
Alle diese Dinge können dich jedoch viele Schritte weiter nach vorn bringen, um eine selbstbewusste, gereifte Persönlichkeit zu entwickeln.
Es liegt in deiner Hand.

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