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Er hat mir gestern eine geklatscht

 
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Es scheint schon Normalität im Alltag geworden zu sein, seine Mitmenschen mit Worten oder/und körperlich zu attackieren.
Ganz besonders große Sorgen macht mir das im Kindergarten- und Schulalltag.
Während ich vor zwei Wochen mit in einer Neuntklässlerin sprach, die über Jahre- seit der zweiten Klasse- geärgert wurde und sich nun in einer Tagesklinik befindet, ist mir schlagartig bewusst geworden:
Wir dürfen Gewalt jeglicher Art unter ‚den Kleinen‘ nicht verharmlosen und verniedlichen.
Ich vermisse die Prävention zu Mobbing- und Gewaltbereitschaft an den Grundschulen, es reicht nicht, Kinder zu ermahnen, auf die ‚Strafbank‘ setzen zu lassen oder sie vor die Tür zu stellen.
Das löst absolut keine Probleme und erinnert mich an DDR-Erziehungsmaßnahmen, erscheint mir einfach nicht sinnvoll.
Was aber ist der richtige Weg?
Mein Herz sagt mir, dass wir alle uns viel mehr auf unsere Kinder und Jugendlichen einlassen müssen, Beziehung aufbauen heißt das Zauberwort.
Ja ich weiß, Lehrer haben keine Zeit für solchen ‚Kram‘, es herrscht hoher Personalmangel und auch das Zusammenspiel Elternhaus und Schule scheint oft leider nicht zu funktionieren.
Aber: Ich bin hier in Deutschland wiederum verpflichtet, mein Kind in die Hände der Lehrer zu übergeben, tue ich es nicht, drohen hohe Geldstrafen und sogar Schlimmeres.
Also kann ich auch ansprechen, dass mich nervt, wie wenig Schüler*innen die sogenannten Social skills mit auf den (Lebens-)Weg bekommen und wie wenig eingegriffen wird, wenn es ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen den Kindern gibt.
Wenn mein Kind wiederholt aus der Schule weinend nach Hause kommt, weil sie beleidigt, getreten und geschlagen wurde, dann frage ich mich, ob das tatsächlich zur Entwicklung von Kindern dazu gehört, sich so fertig zu machen.
‚Er hat mir gestern eine geklatscht‘ – ihr Banknachbar ist neuerdings der Auffassung, so seinen Schulalltag zu gestalten.
Er macht es dabei anderen Jungs nach.
Das kann sich am Tag um verschiedene Provokationen handeln und irgendwann eskaliert das Ganze.
Doch wie kommen wir dem bei, wie lösen wir solche Probleme?
Die Kinder in ‚gut‘ und ‚böse‘ einzuteilen, halte ich für totalen Schwachsinn.
So werden Außenseiter produziert und die Klassengemeinschaft gespaltet.
Oder soll das vielleicht Sinn und Zweck der Sache sein, so, wie sie nach der vierten Klasse auseinander zu reißen?
Ich habe mir gestern die blauen Flecken auf Arm und Nähe der Niere angesehen, was da mit meiner Tochter passiert ist, hätte anders enden können.
Sie ist gewiss kein Opfer, hat sicher auch schon Jungs geärgert, aber das geht mir als Reaktion dann doch zu weit.
Es geschieht halt nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig.
Auch ist nicht nur sie ‚dran‘, auch bei anderen Kindern häufen sich solche Gewalttätigkeiten.
‚Täter‘ und ‚Opfer‘ scheinen da auch öfter die Rollen zu wechseln.
Ich habe mich dazu entschlossen, solche Dinge sofort bei den jeweiligen Eltern anzusprechen.
Das sind Erfahrungen aus meiner eigenen Schulzeit, als ich (allerdings ab der achten Klasse) in der Nachwendezeit von Mitschülern mit Springerstiefeln in den Bauch getreten wurde und schlimm gemobbt.
Aber in der Grundschule gab es solche schlimmen Gewalterfahrungen noch nicht, es war die schönste Schulzeit meines Lebens.
Heutzutage gehört eine gut ausgefeilte Anti-Mobbing-Kampagne an die Grundschulen (in den weiterführenden Schulen gibt es das, soweit ich weiß) und gleichzeitig müssen wir uns Gedanken machen, ob das System, wie es heute ist, unseren Kindern wirklich gut tut.
System = Gesellschaft, Arbeitgeber, Elternhaus, Behörden und Schule.

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Autor

Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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