Helau und Alaaf! Was es mit Karneval, Fasching und Fastnacht auf sich hat.

 
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Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch haben Fasching und Karneval, auch die „Fünfte Jahreszeit“ genannt, in einigen Gegenden wieder Hochsaison.
Während einige Regionen es sehr wild treiben, bleibt es in anderen eher ruhig. Dort ist der Fasching meistens den Kindern vorbehalten.
Doch warum ist das so und wo kommt das närrische Treiben überhaupt her?

Die Ursprünge des Karnevalsfestes

Als Vorgänger des Karnevals können Feste gesehen werden, die zu Ehren des Frühlings vor mindestens 5000 Jahren in Mesopotamien ausgerichtet wurden.
In allen Kulturen des Mittelmeerraumes war das Erwachen der Natur ein Grund, gebührend zu feiern. Die Fruchtbarkeitsrituale, um bestimmte Götter milde zu stimmen, waren damals weit verbreitet, ob in Griechenland das Apokries-Fest für den Gott Dionysos oder in Ägypten die Huldigung ihrer Göttin Isis (Osiris).

Römisches Saturnalienfest und Karneval

Geschmücktes Schiff, Krönung zum Spott-König und Maskerade

Bei den Römern wurde ein Fest zu Ehren Bacchus, des Weingottes, exzessiv und ausschweifend gefeiert. Überall bekam in dieser Festwoche jedermann, ob arm oder reich, kostenlos Wein ausgeschenkt. Einfache Männer aus dem Volk wurden zudem zum Spott-König gekrönt.
Vermutlich geht darauf das heutige Brauchtum der Karnevalsprinzen zurück.
Die „Saturnalien“ Anfang Januar waren außerdem ein Fest zur Wintersonnenwende, zum Erwachen des Frühlings, zur Huldigung ihres Gottes Saturn.
Selbst Hinrichtungen wurden zu dieser Zeit ausgesetzt.
Die Herren bedienten in dieser Festwoche ihre Sklaven, alle tranken und aßen miteinander, es herrschte Gleichheit und Gleichberechtigung.
In prunkvollen und lauten Umzügen wurden Schiffswagen „carrum navale“, mit Blumen und Girlanden geschmückte Schiffe, durch die Straßen gezogen. Daraus könnte das Wort „Karneval“ entstanden sein.
Während der Saturnalien wurden Masken getragen, die dem Volk ein ausgelassenes und maßloses Feiern ermöglichte, ohne erkannt zu werden oder bei seinem Herrn in Ungnade zu fallen.
Die Bediensteten hatten so die Chance, Kritik anzubringen und sich lustig zu machen.
Es wird vermutet, dass sich daraus die heutigen “Büttenreden” entwickelt haben.

Fleisch, lebe wohl!

Die christliche Kirche sah diese Ausschweifungen nicht gern, kam aber gegen die alten Bräuche und Sitten nicht an.
Das Volk erhielt somit die Erlaubnis, die Saturnalien zu feiern, die jedoch 40 Tage vor Ostern beendet werden mussten. Dann begann die Fastenzeit.
So wurde bis zur „Fast-Nacht“ ausschweifend gefeiert und ab diesem Zeitpunkt dem Fleisch „Lebe wohl“ gesagt. Aus dem lateinischen Ausspruch: „carni va ledicere“ wurde wahrscheinlich im Mittelalter das Wort Karneval.

Frühlingsfest der Germanen

Die Wintersonnenwende

Die alten Germanen glaubten an Wintergeister. Jedes Frühjahr begingen sie ähnlich wie die Römer ein ausschweifendes Fest, bei dem die boshaften Dämonen fortgejagt werden sollten. Die Bevölkerung setzte sich grausige Maskeraden auf und machte mit Ratschen und Trommeln einen Heidenkrach. Sie erhofften sich davon, dass der Frühling käme, wenn die Wintergeister schnell verschwanden.
Der Wechsel vom frostigen Winterhalbjahr in das ertragreiche Sommerhalbjahr, das symbolische Kämpfen von Dunkelheit mit Sonne, Kälte mit Wärme, Gut mit Böse, Frühling mit Winter ist auch heute noch gegenwärtig.

Alemannische Fastnacht

In der fränkisch-alemannischen Fastnacht in Bayern sind die ursprünglichen Traditionen erhalten geblieben. Jedes Jahr im Februar jagen die Menschen bei den Fastnachtsumzügen mit furchteinflößenden Masken aus Holz und lautem Getöse den Winter fort.

Der christliche Ursprung

Die katholische Kirche stand den heidnischen Bräuchen, wie bereits erwähnt, ablehnend gegenüber. Da die Sitten jedoch tief in der germanischen Bevölkerung verankert waren, ersetzte die Kirche jene bösen Wintergeister und Dämonen Stück für Stück mit dem Teufel, der ja wenigstens im heiligen Buch – der Bibel – stand.
So sollte fortan der Teufel weggetrieben und verjagt werden.

Fastenzeit

Außerdem führte im zwölften Jahrhundert der Papst eine jährliche Fastenzeit vor dem Osterfest ein. Zwischen Aschermittwoch und Karsamstag sollten die Christen weniger essen und dafür mehr beten.
Fleisch zu verzehren war in diesen Wochen schärfstens untersagt. „Lebe wohl. Fleisch!“ galt also nicht nur in Rom, sondern auch hier.

Das Wort Fastnacht (oder seine Abwandlungen)

Das Wort Fastnacht kann mit dem althochdeutschen fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) erklärt werden. Gemeint war damit der Tag vor dem Beginn des Fastens.
Vielleicht jedoch kann „Fastnacht“ auch von „fasen“ abgeleitet werden, was ein altes Wort für „närrisch“ sein soll.
Gefeiert wird statt Karneval die Fastnacht in den Regionen Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Franken, Oberlausitz, Baden, Württemberg, Bayerisch-Schwaben, im westlichen Oberbayern und der Oberpfalz.

Karneval und Fastnacht in katholischen Gegenden

Gefeiert wird der Karneval fast ausschließlich in katholischen Gegenden, da die katholische Kirche im Mittelalter fast überall in Europa einen sehr großen Einfluss hatte.
So erreichte der Karneval von Rom ausgehend immer weiter entlegene Provinzen und verbreitete sich vor allem im rheinischen Raum wie Köln, Bonn, Aachen und Düsseldorf.
Der katholische Hintergrund ist auch die Erklärung dafür, weshalb in den neuen Bundesländern nur vereinzelt und nicht so groß öffentlich Fasching gefeiert wird.
Eine Ausnahme bildet hier das katholische Eichsfeld in Thüringen, welches über Jahrhunderte kulturell durch die Zugehörigkeit zum Bistum Mainz beeinflusst wurde.

Fasching

Vom Fasching spricht man in verschiedenen Regionen, so in Würzburg, das den größten Faschingszug Süddeutschlands hat, in der Region Unterfranken, in den benachbarten Regionen von Baden-Württemberg, in Niederbayern, in der südlichen Oberpfalz, im Osten Oberbayerns und in München.
Die Angleichung an Wörter mit -ing ist deutlich jünger als „Fasnacht“ und kann auch bei unseren ausländischen Nachbarn, den Slowaken, gefunden werden.
Dort heißen die närrischen Tage Fašiangy.
In Hessen, Sachsen und Brandenburg gibt es sogenannte Karnevalsvereine, jedoch das Feiern an sich wird dort auch als Fasching bezeichnet. Die Zeit der Narren heißt im norddeutschen Raum ebenfalls Fasching.
Seit dem 13. Jahrhundert gibt es das Wort Fasching im Hochdeutschen in den Formen vaschanc und vaschang.
Es ist möglicherweise vom Wort „Fastenschrank“ abgeleitet.
So wurde der letzte Ausschank alkoholischer Getränke vor der langen Fastenzeit genannt. Auch das mittelniederdeutsche Form vastgang, und das (spät)altnordische Wort fostugangr stehen für das Einläuten der Fastenzeit.

Von Fastelovend bis Fastelerum

Im nördlichen Rheinland bis zum Niederrhein gibt es bis heute die mundartliche Bezeichnung Fastelovend (Fastenabend) oder Fasteleer für das hochdeutsche Karneval.

Beginn der Fastnachtszeit in mehreren Varianten

Im Januar beginnt die närrische Zeit insbesondere in den Hochburgen mit der Vorstellung der neuen Regenten, der Prinzenproklamation.

Weihnachtliche Fastenzeit

Ursprünglich begann die Fastnacht am Dreikönigstag, dem 6. Januar.
Doch kirchlich gesehen war die Fastnacht der „Vorabend der Fastenzeit“ und diese Fastenzeit begann (und beginnt) nach der Weihnachtszeit und endet mit der Osterzeit.
Somit richtet sich der Termin für Fasching immer nach dem Termin für Ostern.

Martinstag – Der kleine Karneval

Seit dem 19. Jahrhundert wird in vielen Gegenden außerdem am 11. November,
(dem „Elften im Elften“, ab 11:11 Uhr) die offizielle Karnevals-Saison gestartet.
Das hat damit zu tun, dass es vor der endgültigen terminlichen Festlegung des Weihnachtsfestes im Jahr 354 eine vierzigtägige Fastenzeit gab.
Diese begann am 11. November, dem Martinstag.
Es war üblich, alles aufzubrauchen, was sich nicht lange hielt.
Dazu zähl(t)en Fleisch und Fett, aber auch Schmalz, Eier und jede Art von Milchprodukten.
Am Martinstag war außerdem das Jahr des Bauern zu ende.
An diesem Tag musste die Pacht gezahlt werden und die Bediensteten wurden ausgetauscht.
In der Zeitspanne vom 12. November bis 5. Januar gibt es aber nicht wirklich öffentliche Karnevalsfeiern, was mit der angesprochenen vorweihnachtlichen Fastenzeit zu tun hat. Auch der November als Trauermonat und die geruhsame Adventszeit passen nicht zu närrischem Spektakel.
Der 11. November als Saisoneröffnung des Faschings ist also nur symbolisch zu sehen.
Da es jedoch um diese Zeit Karnevalssitzungen gibt, passt der Ausdruck „kleiner Karneval“ ganz gut.

Donnerstag vor Aschermittwoch – Verschiedene Namen

Weiberfastnacht
An diesem ausdrücklichen Weiber-Donnerstag, geben die Frauen den Ton an und lassen die Männer nicht zu Wort kommen. An diesem Tag werden auch den Männern die Krawatten ein ganzes Stück gekürzt. Fragt lieber nicht, was das symbolisch bedeuten mag.

Altweiberfastnacht
Im Rheinland finden zahlreiche Frauenveranstaltungen statt, bei denen Männer meistens nicht gern gesehen sind.

Schmotziger Donnerstag
Im schwäbisch-alemannischen Raum beginnt die Fasnacht mit dem schmotzigen Donnerstag. Es gibt leckere Fasnetsküchle, die in Schmalz ( Schmotz) gebacken werden und auf das kräftige „Reinhauen“ vor der Fastenzeit hindeuten.

Fetter Donnerstag
Ähnlich dem schmotzigen Donnerstag wird im Harzer Land, in Nordthüringen und im südlichen Sachsen-Anhalt die Faschingszeit mit dem „Verfressenheitstag“ begonnen.

Nach dem Nelkensamstag und dem Orchideen- oder Tulpensonntag folgt der Rosenmontag, danach der Faschings – oder Fastnachtsdienstag (Veilchendienstag) und darauf der Aschermittwoch.

Mit dem Aschermittwoch beginnt dann die Fastenzeit.
In der Aschermittwochsnacht wird um 0.00 Uhr das närrische Treiben beendet.
Als Sündenbock für das verfressene, verschwenderische und wollüstige Verhalten während der Faschingszeit werden in vielen Gegenden Strohpuppen verbrannt oder Schelme wie der Hoppeditz beerdigt. Symbolisch ist dies als Zeichen der Buße zu sehen.

Feiert ihr Fasching oder seid ihr Karnevalsmuffel?

Ich wünsche euch allen eine närrische fünfte Jahreszeit,

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