Mrs. Eastie – Königin des [ostdeutschen] Alltags
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Ich geh mal davon aus, Corona ist gefährlich

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Ich geh mal davon aus, Corona ist gefährlich

 
Lesezeit: 3 Minuten

Die Meldungen und Ereignisse überschlagen sich, alle wissen irgendwas, nur halt nicht so ganz genau und ich staune auch sehr, wieviele Hobby-Virologen es neuerdings so gibt, die durch die sozialen Netzwerke geistern.

Dieses seltsame Lungenvirus, von dem zumindest hier in Sachsen gefühlt fast keiner betroffen ist oder sich betroffen fühlt, kann doch nun wirklich nicht so schlimm sein, kommentieren sehr sehr viele Menschen in den sozialen Netzwerken.

Alles erfunden? Maßnahmen viel zu streng, Beschneidung der Grundrechte ein Warnsignal?

Und die Wirtschaft…geht nun deswegen auch den Bach runter? Für nichts und wieder nichts?
Manche fahren auf Arbeit und ihnen passiert nichts, schreiben sie.
Alles maßlos überzogen, tönt es aus sehr verschiedenen Millieus und politischen Ecken.

Anderen steht das Wasser bis zum Hals aufgrund der Kurzarbeit ohne und auch mit Aufstockung durch den Arbeitgeber.
Selbstständigen droht die Insolvenz, ganze Branchen brechen zusammen.
Die, die im Homeoffice arbeiten, stöhnen unter der immensen Belastung, gleichzeitig die Kinder zu betreuen und zu unterrichten, was so gut wie gar nicht funktioniert – für euch getestet.

Das kann ich alles verstehen.
Hier knallt es zwischen unserer Tochter und (vor allem) mir fast jeden Tag, weil sie einfach nicht ihre Schulaufgaben machen mag.
„Ich bin kein Roboter“, schreit sie mir entgegen und knallt die Tür. Nach zwei Tagen Schulfrei im Garten.
Arbeiten ist für mich nur nachts oder frühmorgens möglich, dazu rebelliert durch den Morbus Crohn seit gut einer Woche mein Darm.
Ich gehöre zur Risikogruppe, weil meine Immunabwehr durch Medikamente künstlich heruntergefahren wird, um einen Schub zu verhindern.

Mein Mann ist auf Kurzarbeit, die erst kürzlich verlängert wurde.

Natürlich verstehe ich auch mein Kind. Sie soll diese Aufgaben lösen und gleichzeitig mit der Gesamtsituation seelisch gut klarkommen.
Keine persönliche Nachricht der Lehrerin, keine Unterstützung, bis vor Kurzem nicht einmal eine Kontaktmöglichkeit.
Dafür Lernvideos, neuer Unterrichtsstoff und der Hinweis der Schule, dass es ganz wichtig sei, diese Aufgaben zu lösen.
So, als wenn Eltern das von alleine nicht wüssten.

Selbstverständlich ist absolut die Luft raus und die Kinder brauchen ihre Freunde. Übrigens nicht nur die.
Jeder will zur Normalität zurückkehren.
Klar will ich das auch.
Selbst die Skeptiker verstehe ich irgendwie.
In unserer Wohlstandsgesellschaft gibt es eben nunmal nicht so eine Bedrohung, das ist in unserem Denken nicht ansatzweise drin.

Aber was ist, wenn dieses Virus doch gefährlich ist? Es erzählen nicht alle Länder dieser Welt Lügen!
Die, die bereits selbst betroffen waren oder sind, oder aber deren Angehörige, berichten davon, wie ätzend schon ein milder Verlauf mit Halsschmerzen, Fieber und trockenem Husten sein kann, übrigens auch innerhalb von Deutschland.
Mindestens mit einer schweren Influenza vergleichbar. Und das Coronavirus hat noch einige Steigerungen parat.
Einen Impfstoff gibts noch nicht.
Wie sollen wir uns schützen?

Wir können uns auf Dauer nicht schützen. Es werden früher oder später ne Menge Menschen infiziert und manche wird es schwer erwischen.
Andere werden es gut wegstecken.
Aber Schutz gibt es in dem Sinne zumindest momentan nicht.

Das Einzige, was zur vorübergehenden Eindämmung beigetragen hat, waren diese oben beschriebenen Maßnahmen.
Um in der Zwischenzeit Kapazitäten in den Krankenhäusern zu schaffen.
Momentan sind die in Sachsen nicht vollständig ausgelastet, tönen die Zyniker.
Das stimmt auch tatsächlich.
Denn momentan verbreitet sich das Virus nicht so rasend durch den Lockdown, auf ganz Deutschland gesehen.

Morgen oder Anfang nächster Woche werden wir die Zahlen der Infizierten sehen, die sich über die Osterfeiertage angesteckt haben – so sie denn überhaupt getestet wurden.
Und spätestens Mitte Mai sehen wir die Zahlen der Infizierten, die sich nächste Woche durch die Lockerungen anstecken.
Wenn Friseure und verschiedene andere Läden wieder öffnen und wenn unsere Kinder wieder in die Schule gehen, zumindest einige Jahrgänge…
Unsere ist mit von der Partie als Viertklässlerin.
Schließlich gehts auf die weiterführende Schule im Sommer. Wenn nichts dazwischenkommt.
Und es uns nicht erwischt. Zumindest nicht so sehr erwischt, dass einer von uns ins Krankenhaus muss…

Panikmache?
Nein, ich denke nicht. Für gefährlich halte ich das Virus.
Egal, ob ich als naiv, dumm oder sogar ‚obrigkeitentreu‘ beschimpft werde.
Mir persönlich bereiten die Lockerungen auch Bauchschmerzen.
Ich kann euch nur wünschen, dass ihr verschont bleibt, hoffen, dass es alles nicht so schlimm wird und wir alle irgendwie da durchkommen.
Ohne viele Federn zu lassen.

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Über die Autorin:

Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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