Ich blogge, also bin ich. Die besten Geschichten schreibt das Leben.

 
Lesezeit: 12 Minuten

Ich beginne heute zuerst mit dem Therapiekonzept der Klinik im Film “Elternschule.”
Die Behandlungsmethode in der Gelsenkirchener Kinderklinik Abteilung Pädiatrische Psychosomatik, Allergologie und Pneumologie nennt sich multimodale 3-Phasen-Therapie, die es so nur in eben dieser Klinik gibt.
Aufgebaut ist diese Therapieform auf „fast 30 Jahren Forschung bei der Behandlung chronischer psychosomatischer Erkrankungen sowie bei Verhaltensauffälligkeiten von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen.“
Nun hat mich sehr interessiert, welche Studien dem Behandlungskonzept zugrunde liegen.
Leider konnte ich bisher keine Informationen dazu finden.
Was ich herausfand, weil es auf der Webseite der Abteilung steht, ist, dass diese 3-Phasen-Therapie aus verschiedenen Modulen besteht.

Therapiebausteine der Klinik bei psychosomatischen Erkrankungen
Besonders interessiert haben mich dabei die Schlaf-, Ess- und Trennungsmethoden, die ich eindeutig in der Doku Elternschule wiederfinden konnte; als sogenannte “Module” also das sogenannte Schlafverhaltenstraining (SVT), das Essverhaltenstraining (EVT) und das Bindungs- und Trennungstraining (BTT).
Ich bin in meinen Recherchen, auf welchen Forschungen oder Studien diese Module aufbauen, auch noch nicht sehr weit gekommen.
Eine ähnliche Therapie gab es jedoch schon mit dem Gelsenkirchener Behandlungsverfahren unter der Leitung von Dr. August Stemmann in genau dieser Klinik zur Behandlung von Neurodermitis bei Kindern.
Dieses Behandlungsverfahren beinhaltete unter anderem auch ein Trennungs- und Esstraining und war an die “neue germanische Medizin” angelehnt.
Stemmann verkündete, Neurodermitis heilen zu können, unter anderem durch ein Trennungstraining von Mutter und Kind.
Wer mehr dazu lesen möchte, kann hier zu einem Artikel vom Spiegel weitergeleitet werden.
Viele Experten warnten 2005 vor okkulter Heilmedizin und Scharlatanerie, zumal Stemmann sich zahlreiche Aspekte seines Behandlungsverfahrens wiederum von Ryke Geerd Hamer abkupferte.
Der hatte dieselbe Idee der Spontanheilung – allerdings bei Krebs, was einem Mädchen das Leben kostete.
Ob der jetzige Psychotherapeut Dietmar Langer sich auf die Grundlagen des Gelsenkirchener Behandlungsverfahrens beruft, ist noch nicht geklärt. Zumindest beruft er sich auf 30 Jahre Forschung und hat mit Dr. Ernst August Stemmann Seite an Seite in der Klinik gearbeitet.

Training. Planmäßige Durchführung eines Programms von vielfältigen Übungen.
Zurück zum Film.
Ich sehe in der Doku ein Baby, welches von seiner Mutter immer wieder apathisch geschaukelt wird. Das kleine Mädchen schrie laut Schilderungen der Mama 14 Stunden am Tag und die Mutter hörte es sogar dann noch oder schon schreien, wenn es nicht in ihrer Nähe war.
So stark prägend und belastend sind Erlebnisse mit Schreibabys.
In der beschriebenen Filmsequenz schreit das Baby gerade nicht.
Nun frage ich mich dennoch, wenn es diese extreme Regulationsstörung bei dem kleinen Mäuschen gibt, es sich also von allein nicht beruhigen kann, weshalb es dann in der Klinik in ein Gitterbett gelegt, in einen abgedunkelten Raum geschoben und sich selbst überlassen wird?
Es soll lernen, die Kraft aus sich selbst zu ziehen, schließe ich als Zuschauer daraus und wahrscheinlich, sich selbst zu regulieren. Es soll also einen Beruhigungspunkt in sich selbst finden.
Das ist mir dermaßen unschlüssig, dass ich es absolut gar nicht in Zusammenhang mit der „liebevoll-konsequenten Erziehung“ bringen kann, von der Psychotherapeut Langer immer wieder spricht und die Presse schreibt.
Der Mann neben mir im Publikum kann es vielleicht:
„Das kommt davon, wenn man wegen jedem Furz zum Kind rennt.“
Nun gut. Ich hatte genau diese Befürchtung, dass Laien diesen Film argumentativ so begleiten werden und das wahrscheinlich auch an heutige Mütter herantragen.
Vielleicht wird es sich um seine Enkel handeln, die er dann im abgedunkelten Raum zuhause schreien lässt, bis sie eingeschlafen sind.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, auch über die Co-Regulation zu sprechen.
Ein so kleiner Säugling ist noch nicht in der Lage, sich selbst „herunterzuregeln“ – das bringen ihm tatsächlich die Eltern / Bezugspersonen bei.
Allerdings liegen bei Schreibabys Regulationsstörungen nicht unbedingt (nur) vor, weil die Mutter nicht feinfühlig genug war oder die Signale ihres Babys nicht versteht.
Manchmal liegt es auch daran, dass die Mutter während der Geburt in Vollnarkose lag oder der kleine Erdenbürger viel zu früh auf die Welt kam.
Selbst bei einer schweren Geburt kann es sich auf den Säugling im Verhalten auswirken, wie leicht oder schwer er/sie später zu beruhigen ist.
Diese ganzen Themen kann ich selbst hier nur deshalb aus dem FF beschreiben, weil unsere Tochter ein Schreibaby war (sie ist ein Frühchen) und ich ganz viel darüber gelesen habe, als sie auf die Welt kam.
Wir hatten zu jederzeit eine sehr tolle Stillberaterin der La Leche Liga an unserer Seite und ich betone, an unserer Seite. Denn mein Mann wurde mit einbezogen in die Bindungsthemen und wir haben dadurch sehr viel Stärke und Vertrauen in uns selbst erhalten, aber auch Zusammenhänge besser verstanden.
Ebenfalls an unserer Seite war die beste Hebamme der Welt aus dem Geburtshaus Freiberg, Beate – obwohl ich dort nicht entbunden habe und sie wirklich mehr als ausgebucht war.
Regulationsstörungen sind relativ schnell nach der Geburt erkennbar und haben ganz viele verschiedene Ursachen. Die Wärme und Fürsorge der Bezugspersonen / Eltern ist enorm wichtig, um die Bindung zu halten und zu intensivieren.

Schlaftraining
So hart es klingt, zu Schreibabys kann die Urbindung schnell verloren gehen, wenn die Hintergrundinformationen dazu fehlen, da manche Säuglinge exzessiv schreien und nicht ansprechbar sind.
Für mich persönlich gehört nicht dazu, das kleine hilflose Wesen in einen dunklen Raum zu fahren in einem fremden Gitterbett ohne Mama.
Abgesehen davon, dass wir als Zuschauer in der Doku weder sahen, ob und gegebenenfalls wie lange das Baby dort geschrieen haben könnte, wie lange es überhaupt in der Klinik war und ab wann die Schwester der Mutter verkünden konnte, dass es nun durchschläft…halte ich es für gefährlich, dass da draußen im Publikum Menschen sitzen, die so ein Schreibaby aufgrund des Films und der Zusammenschnitte “plärren” lassen könnten.
Denn an irgendeinem Punkt könnten – da sich so ein Säugling nicht herunterreguliert und auch nicht von allein einschläft (!!!) – Kurzschlusshandlungen provoziert werden.
Schreien eines Säuglings zu ertragen ist wirklich das Stressintensivste, was es gibt.
Das darf man keinesfalls unterschätzen. Es erzeugt noch mehr Stress, wenn man sein Kind liebt und absolut hilflos ist, sich sogar abgelehnt fühlt.
Ich werde in der nächsten Zeit noch über unsere Erfahrungen schreiben und hoffentlich wertvolle Tipps weitergeben können.
Wie so ein kleiner hilfloser Säugling mit Regulationsstörung an einem Schlaftraining teilnehmen soll, ist mir unbegreiflich. Ich selbst hätte mich auf keinen Fall zu der Zeit von unserer Tochter trennen lassen und die Klinik umgehend verlassen.
Das wäre einfach keine Option gewesen. Never!
Entweder der Film transportiert das Ganze tatsächlich extrem schlecht an den Zuschauer oder die Klinik hat veraltete Behandlungs- und Therapiemethoden.
Für mich ist beides eine Katastrophe, weil ich wirklich befürchte, manche lassen ihre Babys ab jetzt wieder schreien, wie eben früher üblich.
Unserem Baby hat es damals geholfen, sie in eine weiche Decke zu wickeln, denn das empfohlene “Pucken” funktionierte bei ihr nicht.
Sie mochte keine Enge und musste selbst an den Kinderwagen Stück für Stück gewöhnt werden.
In der Manduca-Bauchtrage fühlte sie sich wohler, allerdings auch hier war die kontinuierliche Gewöhnung nötig.
Weiche Stoffe liebte sie jedoch über alles und mit der Zeit ließ sie sich dann auch viel besser beruhigen.
Ich habe genau das mit ihr gemacht, was laut Klinik verpönt ist.
Sie stundenlang gestreichelt, vor allem den Rücken, die Füße massiert, das Bäuchlein mit Kümmelöl eingerieben. Natürlich nicht hintereinander weg, sondern immer dann, wenn wir merkten, sie will schlafen und schreckt immer wieder hoch.
Sie brauchte zum Einschlafen auch die absolute Stille, mindestens bis zum dritten Monat, dann wurde das etwas besser und sie schlief auch in Kinderwagen oder auf einer Decke (im Garten oder Park) ein.
Der einzige Ort, wo sie wirklich immer schlief, war das Auto. Ein magischer Ort für uns drei 😉

Essenstraining
Unsere Tochter wurde nach Geburt voll gestillt und ich damit auch glücklich und zufrieden.
Stillen setzt das Bindungshormon Oxytocin frei, wodurch ich als Mutter recht ausgeglichen und glücklich war trotz belastender Situation.
Im Grunde ist es aber meiner Ansicht nach kein Beinbruch, mit der Flasche zu füttern. Wichtig ist es, die Bindung zum Kind aufzubauen bzw. zu halten.
Dafür empfehle ich wirklich, sich als Mutter Zeit zu nehmen, gerade wenn es so viel schreit. Fernseher aus, entspannende Musik an oder Herztöne als Musik, eventuell Raum ein bisschen abdunkeln, Lavendelduft verbreiten.
Es ist möglich, das Baby aus seinem Schreikreislauf zu holen, jedoch Zeit muss eingeplant werden.
Jede Fütterung ist schon ein kleines Ritual. Ich habe sie manchmal gefüttert und gleichzeitig etwas erzählt. Aus meiner Kindheit oder was wir machen, wenn sie größer wird oder dass ich heute ihr Babybuch begonnen habe.
Das Kind wird sich beruhigen, ganz sicher. Aber es dauert länger und als Eltern brauchst du viel Geduld und auch Zuspruch von außen.
Ich habe sie oft auf meinen Schoß genommen und sie dann gestillt. Manchmal lagen wir auch nebeneinander, wenn sie nicht so gerne berührt werden wollte. Die Nahrungsaufnahme ist eines der schönsten ersten Rituale zwischen Mama und Kind. Auch Schreibabys suchen die Brust und so kann der erste Schreikreislauf ein wenig durchbrochen werden.
Ich habe mich sehr auf ihre Signale eingestellt und ihr weder zu bestimmten Zeiten etwas gefüttert nach Plan noch ihr Milch entzogen, wenn ich der Meinung war, es reicht.
Wenn die Milchproduktion gut angeregt ist, kann sich das Baby ruhig satt trinken. Ich persönlich habe es auch mit der Brust getröstet und es weder als Tyrannen noch als kleinen Diktator gesehen.
In der Klinik wäre ich vor Traurigkeit gestorben, denn ich habe sie auch bei mir schlafen lassen.
Schreikinder sind sehr sensible kleine Geschöpfe, die sich ganz besonders auf die beschützende Mutter verlassen können müssen. Sie haben niemand anderen als Mama und Papa.
Sie gehören nicht in fremde Hände, denn ihre Bindung zu den Eltern ist noch schwach und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten fehlt. Schickt beleidigte Verwandte mit gutem Gewissen weg. Sagt Termine vorübergehend ab ohne schlechtes Gewissen.
Es wird später wieder anders, versprochen. Jedoch die ersten Wochen nach der Geburt benötigen Schreikinder und ihre Eltern vor allem Zeit, um sich kennenzulernen und sich aufeinander einzuspielen.
Für mich ist das der einzige Weg, den ich anderen Eltern von Babys mit Regulationsstörungen empfehlen kann.
Stillen nach Bedarf (oder Fläschchen nach Bedarf) heißt nicht, dass Babys verzogen werden.
Sie zeigen an, was sie gerade brauchen. Unsere Tochter wurde zunehmend ruhiger und legte sich irgendwann auch freiwillig an mich heran, ohne sich nach hinten zu biegen.
Es ist eine Herausforderung, doch es geht zu schaffen.
Ein Esstraining jedweder Art würde ich nie und nimmer empfehlen. Allerdings gibt es wahrscheinlich Kinder, die nichts zu sich nehmen und in psychotherapeutischer Behandlung am Besten aufgehoben sind.
Nahrungsaufnahme ist essentiell fürs Überleben und Eltern können sehr panisch reagieren, wenn ihr Kind nichts mehr zu sich nimmt.
Welche Therapien da in Deutschland in Frage kommen, der Frage werde ich in nächster Zeit nachgehen.
Ob es tatsächlich ein Esstraining in der Form, wie hier dem Zuschauer gezeigt, sein muss, kann ich mir nicht vorstellen.

Wir sollten vielen Fragen intensiver nachgehen.
So auch, ob Bindungsverhalten nicht schon ab der 6. oder 7. Klasse erstmals in den Schulen gelehrt werden sollte.
Eines der wichtigsten Dinge zwischen Menschen ist der Aufbau einer stabilen Bindung.
Leider haben oft weder Eltern noch Erzieher oder Lehrer je davon gehört, dass es verschiedene Bindungstypen (nach Ainsworth und Bowlby) gibt.
Wir können nicht den Ball nur den Eltern zuwerfen, während die Gesellschaft, die Öffentlichkeit keine Ahnung vom Bindungsaufbau zum Kind hat.
Wenn in einer Gesellschaft Kinder schwer seelisch erkranken, unter Regulationsstörungen leiden und letztendlich sogar Nahrung verweigern, muss darüber öffentlich diskutiert werden. Denn das ist nicht nur ein Familienproblem, sondern ein gesellschaftliches.
Dazu zählen die elementarsten Dinge, wie zum Beispiel, dass Mutter und Kind nach der Geburt nicht getrennt werden und allgemein mit der Abnabelung von Mutter, Vater und Kind sensibel und feinfühlig umgegangen wird. Jeder Mensch hat seine ureigenste Intensität, wie und in welcher Geschwindigkeit er/sie Bindungen eingeht oder Autonomie anstrebt. Ich werde dazu noch viel schreiben, doch heute würde das hier den Rahmen sprengen.

Der stille Raum
Es mag schon sein, dass manche Kinder einen Klinikraum brauchen, in dem nur Matratzen liegen und weiter nichts.
In dem Film sehe ich Betreuerinnen, die ohne ein Wort zu sagen beim Kind sitzen.
Jegliche Bewegung, selbst das Spielen mit den Fingern, ist untersagt und wird unterbunden.
Die Kinder sollen sich wahrscheinlich herunterregeln und zur Ruhe kommen.
Nach einer gewissen Zeit (der Zuschauer weiß nicht, wie lange) dürfen alle den Raum wieder verlassen.
Der Sinn ist für mich persönlich unklar. Vielleicht wird davon ausgegangen, dass Reizüberflutung die Kinder unruhig werden lässt und sie deshalb eine Art “Hier kommst du nur zur Ruhe, weiter nichts” Coaching bekommen sollen?
Anna – ihr erinnert euch vielleicht – hat dieses Prozedere auch nicht verstanden und natürlich nachgefragt, warum sie das jetzt eigentlich machen mussten.
Vor der Antwort war schon ein Cut gesetzt. Dabei hätte mich das wirklich interessiert.
Dafür werde ich die Klinik sicher noch anschreiben.
Auch ein Stille-Raum könnte allerdings etwas netter und ansprechender für Kinder gestaltet sein.
Über verschiedene Farben könnte eine sehr beruhigende Atmosphäre geschaffen werden, ohne dass es bunt sein müsste.
Auch Meditationsmusik würde sehr gut funktionieren.
Auf welchem Konzept so ein Raum beruht und wofür er da sein soll, bleibt mir als Zuschauerin jedenfalls ein großes Rätsel.
Ich persönlich finde den Umgang mit den Kindern eigenartig und nicht zeitgemäß. Es erinnert mich an die stille Treppe und ich hätte es als Kind in diesem Raum nicht ausgehalten, auch nicht mit Betreuerin an meiner Seite.

Joggen am See entlang
In einer Szene reicht der Psychotherapeut einem schätzungsweise fünfjährigen Mädchen vor der Klinik die Hand und spricht sie freundlich an. “Drehen wir gemeinsam eine Runde um den See?”
Das Mädchen nickt und freut sich, sie hat Vertrauen zu ihm und er nimmt sie an die Hand.
Zuerst ist die Szene noch richtig locker und erfrischend. Das Mädchen quasselt fröhlich und der Therapeut beginnt zu joggen, das Mädchen auch. Sie joggen los und irgendwann – nach einer ganzen Zeit – hört der Zuschauer, wie das Mädchen sagt, dass sie nicht mehr kann und ihr die Seite sticht.
Ab diesem Moment wird mir wirklich mulmig und ich finde die ganze Szene richtiggehend gruselig.
Herr Langer wird in meinen Augen zum Antreiber und bagatellisiert ihr Seitenstechen. “Ach komm schon…” (sinngemäß) und als sie weiter jammert und weint: “Du kommst doch bald in die Schule, hör mal…”
Sie verliert beim Laufen ihre Mütze und sagt es dem Therapeuten, der mit seinem Monolog beschäftigt ist.
Nachdem sie zum zweiten Mal sagt, ihre Mütze sei weg, unterstellt er ihr, sie habe die Mütze mit Absicht weggeschmissen und nun müssen sie zurück joggen und die Mütze holen.
Sie will nicht und setzt sich mitten auf den Weg. Ein Machtkampf entsteht, mit Schlagabtausch von “Ich brauche die Mütze nicht” über “Die habe ich von meinem Geld bezahlt” bis hin zu “Da wird deine Mutter / Oma aber traurig sein, wenn wir sie nicht holen”; er wartet eine Weile und geht dann seiner Wege.
Sie sitzt noch ein Weilchen, rennt dem Therapeuten dann aber hinterher.
Später gibt es eine Sequenz, wo Herr Langer und Mädchen am Rand des Sees stehen, Enten beobachten und das Mädchen wieder genauso aufgeschlossen ist wie am Beginn des “Spaziergangs”. Sie holen dann zusammen die Mütze.
Weshalb ich mich trotzdem bei dieser Szene unwohl gefühlt habe, ist, weil das Mädchen so sehr geweint hat und der Therapeut darauf nicht eingegangen ist. Ich frage mich, warum. Sie ist eine ziemliche Strecke mit ihm gerannt und war sehr kooperativ.
So eine Art und Weise gehört tatsächlich in Deutschland zur Verhaltenstherapie bei Kindergartenkindern? Wenn dem so ist, muss ich ehrlich sagen: Ich bin darüber entsetzt.

Die Mäuseburg
Für mich war es tatsächlich einer der schlimmsten Momente, diese Szenen im Film mit ansehen zu müssen.
Wie etliche meiner Leser vielleicht in meinem Blog mitverfolgen konnten, bin ich ein absoluter Gegner von harter Trennung zwischen Mutter/Vater und Kind.
Es gibt zwar auch hier Ausnahmen, nämlich dann, wenn das Kind wirklich von sich aus so stark und aufgeschlossen ist, in einen fremden Raum spielen zu gehen und mit der Erzieherin zu interagieren.
Im Großen und Ganzen jedoch, dauert eine Eingewöhnung in eine fremde Umgebung immer ein bisschen Zeit. Und manchmal auch ein bisschen mehr. Wie ich oben bereits schrieb, ist das Bindungsverhalten genauso individuell wie das Essverhalten.
In der Mäuseburg konnte ich ein Spielzimmer sehen, ähnlich einem Zimmer im Kindergarten.
Dort waren verschiedene Sequenzen eingespielt. Ein Junge, der sich die Seele aus dem Leib schreit, unter dem Waschbecken sitzt und öfter im Sitzen so nach oben hüpft, dass ich Angst habe, er würde sich den Kopf aufschlagen.
Ein kleines dunkelhaariges Mädchen, vielleicht zwei Jahre alt, dass jammernd umher läuft, ein Mädchen mit Brille, dass etwas ängstlich, aber nicht eingeschüchtert wirkt und bestimmt zwischen vier und fünf Jahren alt ist und ein trauriges Mädchen in schätzungsweise demselben Alter.
Das Skurrilste daran: Eine Mitarbeiterin der Klinik, die auf dem Boden sitzt, mit keinem Kind Blickkontakt oder sonstige nonverbale Kommunikation hat und Kreisel dreht.
Sie scheint darauf zu warten, dass die Kinder von sich aus zu ihr kommen und mit ihr spielen.
Leider geht das bei den meisten der schreienden Kinder in dem Raum schief, denn die sind weder zu beruhigen, noch ansprechbar. Irgendwann liegt der Junge, der unter dem Waschbecken brüllte, müde und ausgepowert auf dem Boden und sagt nichts mehr.
Hier hat eine harte Trennung stattgefunden – also ein “Tschüß Kind – bis später”, Mama weg, Tür zu, Kind traurig bis überstresst.
“War bei uns früher ganz normal” erzählt der gesetztere Mann im Publikum neben mir und ich möchte ihm gern etwas über das Berliner Modell erklären, über Vertrauen, über sanftes Loslassen, über Trösten durch die neue Bezugsperson.
Jedoch ich bin momentan von dem Film so paralysiert, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann.
Wäre ich mit meinem Kind in dieser Klinik gewesen, hätte ich diese Therapie abgebrochen.
Es erinnert mich tatsächlich an alte Schule, so wie früher Kinder zum Essen und zum Mittagsschlaf gezwungen wurden.
In vielen Kindertageseinrichtungen ist es bis heute so, dass die Kinder aufessen müssen und in der Mittagsruhe still sein. Auch die harte Trennung wird noch sehr oft praktiziert.
Alles Zeit und Geld!

Und zum Schluss: Neurodermitis ist keine psychosomatische Krankheit!
Diese Erkrankung kommt nicht zustande, weil ein Trennungskonflikt vorliegt und wird auch nicht gelöst, in dem das Kind von der Mutter getrennt wird. Dasselbe gilt für Ess-Störungen und selbstverständlich auch Trotzverhalten.
Das ist in meinen Augen Hokuspokus und wissenschaftlich nicht erwiesen.
Warum die Krankenkassen so eine Therapie absegnen und unser aller Geld herausschleudern ist mir ein Rätsel.
Gutachter haben Qualitätssiegel vergeben und Lokalpolitiker Spenden.
Die Medien feiern den Film als Erziehungsratgeber und ich freue mich, wenn ich nachher gleich mit dem Zug nach Hause fahren und unser Kind in die Arme schließen kann.
Denn ich schließe mich der Meinung der Medien nicht an und werde um diese Klinik definitiv einen Bogen machen, sollten wir in irgendeiner Form mal Hilfe brauchen.

Hier folgt bald noch ein dritter Teil.

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Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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