Morbus Crohn und die Hilflosigkeit der Ärzte

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Mittlerweile ist es gelungen, eine kleine Lobby für Morbus-Crohn-Erkrankte aufzubauen.

Unter den Begriffen CED ( chronisch entzündliche Darmerkrankungen) und DCCV (derzeit der größte Verband für Morbus-Crohn- und-Colitis-Ulcerosa-Erkrankte) können Betroffene und Angehörige von Betroffenen viele Infos im Internet zu der tückischen Darmerkrankung finden.

Doch wie sieht der Alltag Betroffener aus?

Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen gibt es viel zu wenige, um sich auszutauschen. Doch das ist das geringere Übel. Viel schlimmer ist die nicht flächendeckende medizinische Versorgung, vor allem im Notfall.

Wer unter einem sogenannten Schub leidet, dem bleiben nicht viele Möglichkeiten. Je nach Krankheitsverlauf gibt es nur die Variante, im Notfall den Krankenwagen zu rufen – und da beginnt das große Dilemma.

In der Notaufnahme angekommen, darf zuerst der Krankheitsverlauf hergebetet werden.

Mit kurzen Gesprächspausen, weil der Bauch krampft oder Erbrechen im Minutentakt an der Tagesordnung ist. Nach Gabe von Buscopan, Elektrolyten und Novalgin sieht es dann etwas besser aus.

Dann doch lieber gleich den Ordner griffbereit zuhause liegen haben, in dem alle Arztberichte inklusive stattgefundener Operationen und Untersuchungen gesammelt sind.

Leider gibt es in so einer gestressten Krankenhaus-GmbH, die vor allem „wirtschaftlich“ arbeitet, immer wieder Ärzte, die nicht einmal quer lesen.

Da werden versucht, vernarbete Stenosen mitten im Schub zu weiten (Dillatation) – natürlich ohne Kurznarkose

Ein schmerzhafter Prozeß, der zudem bei mangelnder Erfahrung böse enden kann. Patienten bekommen immensen Streß, der sich weit über die körperliche Panik hinaus erstreckt. Wer da als Arzt kein Verständnis und keinen Einblick in die Anamnese hat, der wird wohl in den nächsten Jahren einen Morbus-Crohn-Patienten weniger haben.

Man sehe das aus dem Blick des Leidenden: Jedes Jahr ein oder zwei akute Schübe über mehrere Wochen bedeutet eine deutliche Belastung für den Körper. Schade, dass nicht zur Kenntnis genommen wird, dass jedesmal Darmspiegelung des Dickdarms, jedesmal mindestens ein CT- Sellink und eine Spiegelung des Dünndarms vorgenommen wird. Dinge, die im Arztbericht bereits stehen.

Allein die Prozedur des Abführens während eines entzündlichen Schubes ist teilweise quälend und kräftezehrend.

Von 8 Tagen Krankenhaus lassen sich mindestens 4 Tage Essen sparen, zuerst durch eine angeordnete Sonografie, dann die oben genannten Behandlungen. In meinem Fall kam noch hinzu, dass das CT-Sellink trotz guter Vorbereitung um einen ganzen Tag verschoben wurde, weil der Radiologe unter Zeitmangel litt. Über einen Tag keinerlei Nahrung und am Untersuchungstag dann irgendwann gegen Mittag die Prozedur – auch hier ohne Sedierung.

Keine schöne Sache.

So kann man nur hoffen, daß in naher Zukunft eine Anlaufstelle für Morbus-Crohn-Erkrankte geschaffen wird.

Die Zahl der Betroffenen steigt und eine zeitnahe Lösung wäre angebracht, damit dem Patienten zum Schluß nicht noch eine „noncompliance“ bescheinigt wird. ( Verweigerung der ärztlichen Anordnung)

Warum wir verweigern?

Zweimal Röntgen in 8 Tagen, zwei Darmspiegelungen, eine Sonografie und ein CT-Sellink – alles ohne Kurznarkose, denn die gibt es nur im „Ausnahmefall“ (der da wäre?) – hier hat eine GmbH wohl eine Menge abzurechnen. Röntgen steigert das Krebsrisiko und was das Essen anbetrifft: ein Frühstück, zweimal Brühe zum Mittag, ein Abendbrot – 8 Tage Aufenthalt im Krankenhaus.

Bravo. Ich habe mich wohl gefühlt.

asti

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