Oh Tannenbaum, woher kommst du eigentlich?

 
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Jedes Jahr ist er Mittelpunkt des Weihnachtsfestes in unzähligen Haushalten Europas: der geschmückte Tannenbaum.
Verziert mit Kugeln, Kerzen, Lametta und Engelchen, Weihnachtsgebäck und Stern auf der Baumspitze steht er prachtvoll und majestätisch im Wohnzimmer.
Am Heiligen Abend versammelt sich dann traditionell die Familie am Christbaum, um die Geschenke auszupacken und melancholischer Weihnachtsmusik bei Kerzenschein zu lauschen.
Doch woher kommt dieser Brauch und wie lange existiert er schon?

Der Ursprung des Weihnachtsbaumes in heidnischen Bräuchen
Seit jeher galten bei unseren Vorfahren in vorchristlicher Zeit immergrüne Pflanzen als ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. So stellten Germanen, Slawen und Balten zur Wintersonnenwende an allgemein zugänglich Orten und vor ihren Häusern Tannenzweige auf.
Damit sollte verhindert werden, dass böse Geister in die Wohnstätten eindringen
Gleichzeitig spiegelte das Schmücken mit grünen Pflanzen die Sehnsucht und die Hoffnung auf den Frühlingsbeginn wieder.
Die tannengrünen Wintermaien standen also symbolisch für Leben, Glück und Fruchtbarkeit. Den Weihnachtsbaum gab es in dieser Zeit noch nicht.

Vom Brauch, einen Nadelbaum in die Wohnung zu stellen
Den Überlieferungen nach wurden die ersten Weihnachtsbäume im 15. Jahrhundert aufgestellt.
Zur Zeit der Reformation sollen Martin Luther und Anhänger den Christbaum zum weihnachtlichen Erkennungszeichen der Protestanten erklärt haben.
Die aufgestellte Krippe mit Jesuskind, Joseph und Maria dagegen war ein Symbol für die katholische Weihnacht.
Anderen Berichten zufolge schmückte die Bäckerschaft Freiburg im Breisgau den ersten festlichen Weihnachtsbaum 1419 öffentlich mit Nüssen, Früchten, Äpfeln und Lebkuchen.
Alten Aufzeichnungen ist auch zu entnehmen, dass bereits im Jahr 1535 in Straßburg Weihnachtsbäume verkauft wurden. Es waren zu der Zeit jedoch noch keine Tannenbäume, sondern kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäume. Diese Bäumchen wurden dann in den Stuben aufgehängt.
Nach Norddeutschland verbreitete sich der Brauch zwischen 1570 und 1590. Zuerst vereinzelt, dann in etlichen Zunfthäusern der Bremer Handwerker wurden grüne Nadelbäumchen mit Äpfeln, Früchten und Nüssen geschmückt. Für die Kinder war das Naschen vom Weihnachtsbaum eine besondere Freude.
Im Laufe der Zeit übernahmen immer mehr Familien den lustigen Brauch, bis er irgendwann einfach dazugehörte.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verzierten dann Christbäume in Straßburg im Elsass zum Heilig Abend die Wohnzimmer.
Den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen soll übrigens Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien 1611 erstmalig aufgestellt haben.
Im 18. Jahrhundert wurde es dann auch bei hohen Beamten und vermögenden Bürgern in anderen Städten Deutschlands Tradition, den Christbaum aufzustellen.
Einen flächendeckenden Anbau von Tannenbäumen gab es zu der Zeit allerdings noch nicht. Somit waren die teuren Bäume der wohlhabenden Schicht vorbehalten.

Die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum
Nachdem die Herzogin von Schlesien im 17. Jahrhundert den ersten Christbaum mit Kerzen aufstellte, dauerte es bis 1730, ehe sich dieses Brauchtum verbreitet hatte.
Im Roman “Die Leiden des jungen Werther” (1774) schilderte Johann Wolfgang von Goethe die Begeisterung seiner literarischen Hauptfigur beim Anblick eines feierlich geschmückten Baumes mit „Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln.“
Diese Lichterbäume fanden vor allem in evangelischen Haushalten Anklang. Es sollte weitere Jahre dauern, bis sich das Verschönern der Bäume mit Kerzen deutschlandweit durchsetzte.

Der Weihnachtsbaum als deutsches Brauchtum
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts – in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon – war der Tannenbaum dann mittlerweile in so gut wie jeden deutschen Haushalt eingezogen, unabhängig von der Konfession. Aufgrund der hohen Nachfrage kam es zur Anpflanzung ganzer Tannen- und Fichtenwälder.
Mitte des 19. Jahrhundert begann die erstmalige Herstellung mundgeblasener Christbaumkugeln und Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Brauch dann zum festen Bestandteil des Weihnachtsfestes in Deutschland.
Egal, ob Norden oder Süden, Osten oder Westen, ob auf dem Lande oder in der Stadt: Der Deutsche wollte kein Weihnachten mehr ohne seinen geliebten Weihnachtsbaum verbringen.
Ab dieser Zeit können wir den Weihnachtsbaum als deutsches weihnachtliches Brauchtum betrachten.

Die Verbreitung des Weihnachtsbaumes europa- und weltweit
Auswanderer und deutsche Soldaten machten den Christbaum im Laufe des 19. Jahrhunderts während der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges dann in der Neuen Welt populär.
Der Erzählung nach stellte 1832 ein ausgewanderter deutschstämmiger Harvard-Professor dann einen Weihnachtsbaum in seinem Wohnhaus in Nordamerika auf, 1882 gab es in den USA den ersten mit elektrischem Licht beleuchteten Weihnachtsbaum der Welt und 1891 stand erstmals ein Weihnachtsbaum vor dem Weißem Haus, dem Amtssitz des amerikanischen Präsidenten.
Die familiären Beziehungen innerhalb deutscher Adelsfamilien zu den europäischen Höfen trugen wiederum zur Verbreitung des Weihnachtsbaumes in ganz Europa bei.

Die katholische Kirche als Gegner des Weihnachtsbaumes
Ihr glaubt es vielleicht nicht, jedoch erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind Christbäume in katholischen Kirchen erlaubt.
Papst Johannes Paul II. höchstpersönlich veranlasste im Jahr 1982, dass der erste Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt wird.
Vor dem weihnachtlichen Krippenspiel zur Geburt Jesu Christi gab es früher die kirchliche Darstellung des Sündenfalls. Adam und Eva versündigten sich und aßen den Apfel vom Baum der Erkenntnis.
Der Paradiesbaum wurde dafür mit Äpfeln geschmückt. Daraus wird von manch einem ebenfalls der Ursprung des heutigen Weihnachtsbaums abgeleitet.

Das romantische Bild vom urwüchsigen Baum aus dem Wald
Wahrscheinlich durch Geschichten rund um den Weihnachtsmann und den Knecht Ruprecht, die beide durch den finsteren Winterwald stapfen, träumt so mancher von einem selbst geschlagenen Tannenbaum aus dem Wald – naturschön und urwüchsig.
In Wahrheit wachsen Tannen und Fichten vor allem auf den nach wie vor dafür angelegten Weihnachtsbaum-Plantagen von circa 15000 Hektar Fläche in Deutschland. Angebaut werden dort übrigens nicht einheimische Tannen, sondern die Nordmanntanne.
Sie ist im Kaukasus beheimatet und von dort kommt das Saatgut für unseren deutschen Christbaum, der in diesem Jahr bestimmt auch wieder voraussichtlich rund 25 Millionen Mal käuflich erworben wird.
Nach zehn Jahren Aufzucht und Pflege können wir uns dann im Wohnzimmer nach dem Schmücken an dem schönen Nadelbaum erfreuen und erwartungsvoll auf den Weihnachtsmann warten.
Oder doch lieber aufs Christkind?

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