Sachsen, die Polizei, Pegida und Journalisten. Alles sehr angespannt.

 
Lesezeit: 4 Minuten

Ich habe gestern ein Video gesehen, in dem einige Pegida-Teilnehmer zu sehen waren und dann plötzlich die Situation eskalierte.
Ein Kollege von Frontal 21 hat die Gruppe von Leuten gefilmt, genau an dem Tag, als auch Bundeskanzlerin Merkel in Dresden war. Die wiederum hatte vorher in Neukirch in der Oberlausitz das Trumpf-Werk besucht, bevor sie dann in Dresden an der Sitzung der CDU-Landtags-Fraktion teilnahm.
Da warteten schon Pfeifchöre der Pegida auf sie, denn die “Pegidianten” sind ja ziemlich gnadenlos, was die Bundeskanzlerin anbetrifft. Sie kritisieren nicht – nein, sie verurteilen sie wegen ihrer Flüchtlingspolitik seit 2015 und manche haben sich auch öffentlich dazu bekannt, sie am liebsten an den Galgen zu hängen. Es scheut sich auch niemand in den Pegida-Versammlungen, karikative Schilder hoch zu halten, auf denen man diese Einstellung klar und deutlich sieht.
Einer dieser Pegida-Leute marschierte also mit etlichen anderen Gleichgesinnten an der Frontal 21- Kamera vorbei, die der Kameramann ruhig und mit Bedacht auf die Leute hielt, die ihr Pfeifkonzert wahrscheinlich beendet hatten.
Jedenfalls wurde ein Mann mit Deutschlandhut, der in der Menschenmenge mit lief, auf das Kamerateam aufmerksam und löste sich plötzlich aus der Menge, um direkt vor die Kameralinse zu laufen und immer wieder kundzutun, dass er nicht gefilmt werden will. Was er nicht weiß, ist dass wir – also alle, die journalistisch tätig sind – sehr wohl das Recht haben, an öffentlichen Plätzen zu filmen. Anders als bei vielen Hobbyfilmern heutzutage gelten für Journalisten berufsbedingt viele verschiedene Gesetze aus dem Medienrecht, dem Urheberrecht und vielen anderen mehr. Ein “Ich will nicht gefilmt werden” reicht übrigens NICHT immer aus, um nicht gefilmt zu werden. Es kommt grundsätzlich auf die Situation und die Zusammenhänge an.
Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für uns “Pressefuzzis”, Stimmungen einzufangen und einen Überblick von Situationen zu schaffen, die ein Journalist eben doch ein bisschen anders wieder gibt als ein Hobbyfilmer. Aus diesem Grund hat die Presse nicht nur Pflichten, sondern auch ein paar Sonderrechte während der Dreharbeiten.
Nicht umsonst muss sich ein Medienschaffender mit einem gültigen Presseausweis ausweisen können.
Zur Arbeit eines Journalisten wie von Frontal 21 gehört auch und gerade , dass er durch die Pressefreiheit bzw. das Recht der freien berichterstattung in diesem Land geschützt ist und durchaus den Bürgern verpflichtet ist, brenzlige Situationen und Auseinandersetzungen zu zeigen bzw. darüber zu berichten.
Der Mann mit Hut stand nun sehr aufgebracht und aggressiv vor der Kamera und wiederholte mantra-artig, dass er nicht gefilmt werden will. Wobei er sich ja selbst vor die Linse stellte. Es ist also sehr fragwürdig, wieso er das tut, wen ner nicht gefilmt werden will. In der Gruppe durfte er jedenfalls aufgenommen werden, dafür brauchen wir keine Genehmigung.
Das Einzige was ich persönlich anders gemacht hätte ist, dass ich diesen wütenden, eventuell sogar alkoholisierten Menschen verpixelt hätte, bevor ich das Video veröffentliche.
Generell fand ich aber sehr fragwürdig, weshalb die Polizei für das Aufnehmen der Personalien aller Beteiligten insgesamt 45 Minuten gebraucht hat. Das ist schließlich Arbeitszeit des jeweiligen Journalisten und seines Kameramannes und somit tatsächlich Einschränkung der Pressefreiheit, denn wir Bürger haben ein Recht darauf, zu sehen, dass die Pegida tatsächlich sehr viel Hass und Wut schürt.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der aggressive Deutschlandhut-Mann alleine auf den Journalisten getroffen wäre. Zumal etliche Kollegen bereits bei Pegida-Aufmärschen angespuckt, geschlagen und auch Equipment beschädigt wurde, was absolut gar nicht geht.
Um mal eins anzumerken, ich bin eine waschechte “Ossi”, bin in der DDR geboren, habe den Osten (als Lebensraum) nie verlassen, hatte es nicht immer so ganz einfach in meinem Leben und bin jahrelang nicht gerade im Geld geschwommen. Ich weiss, was nach der Wiedervereinigung hier in den neuen Bundesländern los war und schreibe auch sehr viel darüber hier in meinem Blog.
Doch es sind fast 30 Jahre vergangen und es wird ganz sicher nicht passieren, dass die Kanzlerin durch solche Aufstände wie der Pegida-Bewegung “gestürzt” wird. Mir gefällt auch nicht alles, was sie so fabriziert, ich bin kein großer Fan von ihr. Sie ist mir nicht taff genug und sie hat tatsächlich den Osten über die Jahre einfach vergessen.
Trotzdem leben wir in keiner Diktatur und Merkel ist nicht Honecker.
Mir scheint, als würden manche denken, was einmal funktioniert hat, das funktioniert auch wieder. Natürlich darf jeder demonstrieren gehen. Allerdings ist es nicht dieselbe Situation wie in der DDR, doch viele fühlen sich so, als wenn es Zensur gibt, keine Meinungsfreiheit und Willkür.
Dann ist doch aber so ein Kamerateam eine große Chance, genau darüber zu reden, genau das zu sagen, was man schon immer sagen wollte!
In solchen Momenten wird für mich klar, dass manche Leute nur Wut im Bauch haben, sich aber nicht so wirklich artikulieren können – und Nazis hinterher laufen. Das ist eine gefährliche Sache!
Dennoch darf ein Journalist solche Situationen einfangen, denn es ist sein Job.
Ich selbst fühle mich nicht wie in einer Diktatur. Allerdings sehe ich einen steilen Abwärtstrend im sozialen Bereich und ich sehe immer mehr Einmischung des Staates in das Privatleben seiner Bürger, sei es der Schulzwang oder auch diese furchtbaren Hartz IV- Sanktionierungen. Viele Dinge laufen verkehrt.
Trotzdem kann nicht für alles und jeden ein Sündenbock gesucht werden, der es abbekommt. Es kann jeder in die Politik gehen, so ist auch im Endeffekt die AfD hochgekommen, wobei sie leider komplett von Rechts unterwandert wurde und mit ihren Anfängen nichts mehr gemein hat.
Wer jedoch etwas erreichen will, schafft das auch. Manchmal muss dazu aber auch ein Schritt in eine andere Richtung gegangen werden, als sich gegenseitig hochzupuschen und den falschen Leuten hinterher zu rennen.

(Visited 27 times, 1 visits today)

Dein Kommentar hier: Was denkst du darüber?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.