Schmetterlinge und Seifenblasen

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Hochsensibel – was soll das sein?

Der Begriff ist vielleicht etwas irreführend. Eigentlich reicht es doch schon, sensibel zu sein. Laut Duden bedeutet sensibel = der Empfindung fähig.

Demzufolge sollte jeder Mensch Sensibilität besitzen.

„Sensibel“  im Duden erklärt

  • von besonderer Feinfühligkeit; empfindsam
  • (Medizin) empfindlich gegenüber Schmerzen und Reizen von außen; schmerzempfindlich
  • besonders viel Sorgfalt, Umsicht, Fingerspitzengefühl o. Ä. erfordernd

Eigentlich umso trauriger, dass unter sensiblen Menschen solche verstanden werden, die nah am Wasser gebaut sind, die also schnell weinen, nicht hart genug für den Alltag sind, als nicht stress-resistent gelten.

In Wahrheit sind doch vielmehr diejenigen, die nicht mehr weinen, wenn etwas sehr traurig ist, schon fast emotionslos wirken für uns Sensibelchen.

Wer nicht lachen oder weinen kann, sich freuen oder ärgern kann, der versteckt doch seine Gefühle!

Oder vielleicht doch nicht? Eventuell gibt es Menschen, die tatsächlich wenig sensibel sind. Erschreckend nur, dass dies durch die Erziehung der vergangenen Jahrzehnte, sei es gesellschaftspolitisch oder familiär, sehr gefördert wird.

 

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

 

Tapferkeit und Stolz und Härte, vor allem Jungs immer noch allzu oft abverlangt, aber auch Mädchen – sei es in Krippe oder Kindergarten, wo die ersten lautstarken Weinproteste bereits relativiert und kleingeredet werden. Ein Abschied von Mama oder Papa haben einfach nicht weh zu tun, es hat nicht zu schmerzen. Weder Sehnsucht noch Angst darf empfunden werden.

Wir sollen funktionieren. Harte Trennungen sind leider keine Seltenheit, Kind in den Arm der Erzieher und weg ist die Mami.

 

Ähnlich ist es, wenn ein Kind hinfällt. Oh wei, tun die Kieselsteine im Knie weh. Es blutet und es piekst. Jedoch Mami oder Papi, Omi oder Opi sind plötzlich so hart, ja fast belustigt über diese Wunde. Wie kann man da weinen – es tut doch gar nicht weh! Schnell ablenken, dann merkt das Kind den Schmerz nicht mehr …

 

Empfindungen sind reine Natursache – wir sind so ausgestattet, um zu lernen, was uns guttut und was uns weh tut. So lernen wir die Welt zu verstehen und das Leben zu meistern.

Wenn Kindern ihre Empfindungen abgesprochen werden, so vertrauen sie sich nicht mehr. Ja noch viel schlimmer: Sie misstrauen ihrer eigenen Wahrnehmung! So kann es keine selbstbewusste, mündige Gesellschaft geben!

 

Sensibel und Hochsensibel

 

Sensible Menschen gibt es dennoch jede Menge. Sie sind recht zugänglich, jedoch oft auch schnell gekränkt. Doch sie können sich gut in die Gesellschaft einpassen, mit all´den vielen Regeln, die besagen: Sei stark! Schau nach vorn! Kopf nicht in den Sand stecken! Lass dich nicht hängen! Brust raus! Übertreibe doch nicht!

Hochsensible Menschen können noch viel mehr als sensibel sein: Sie jagen Schmetterlinge und pusten Seifenblasen, egal, wie alt sie sind. Sie träumen und lassen sich immer wieder neu inspirieren. Sie nehmen jedes Knackgeräusch im Treppenflur wahr und sehen jede Primel im Frühling leuchten. Sie zählen die Vögel am Himmel und hören die Grillen zirpen.

 

Laute Geräusche tun weh. Streit und Zank tun weh. Stress tut weh und macht krank. Ellenbogen tun weh. Zu grelle Farben tun weh ….

 

Der Körper spürt noch mit. Geist, Körper und Seele bilden eine Einheit – und Hochsensible spüren diese Einheit.

 

Sie sind weder psychisch labil noch haben sie Depressionen oder Hysterie. Sie sind einfach empfindsam – sehr, sehr empfindsam.

 

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