Seid fair zueinander! Die gewaltfreie Kommunikation.

 
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Wenn ein Gespräch oder eine Diskussion eskalieren, ist das mitunter von bedeutender Tragweite für die Zukunft, das weitere Zusammenarbeiten, die Freundschaft oder den nachbarschaftlichen Frieden.
Es gibt tausend gute Gründe, sich auf eine sachliche Argumentation zu beschränken, vor allem dann, wenn es tatsächlich um eine Lösungsfindung geht.
Heutzutage steht die Spaltung offensichtlich im Vordergrund. Ich bezeichne das als verbale Gewalt, denn nichts anderes ist es, wenn im Gespräch Wut, Zorn und mitunter sogar Hass Wörter zu Waffen formen.
Dabei geht es auch friedlicher. Vorausgesetzt, es ist überhaupt gewollt!

Gewaltfrei kommunizieren
Dazu gehört es, zuerst seine Beobachtungen zu beschreiben, dazu sein ureigenstes Gefühl zu äußern, Bedürfnisse zu benennen und zum Schluss um etwas zu bitten oder sich etwas zu wünschen.
Nehmen wir an, zwei Menschen geraten aneinander.
Der eine ist verärgert, weil der andere etwas tut, was ihm/ihr nicht gefällt.
Beispielsweise gefällt Person Nummer eins nicht, wie sich Person Nummer zwei anderen Menschen gegenüber benimmt.
Oft gibt es dann als Erstes Schuldzuweisungen: “Du bist schuld, dass hier das Klima total vergiftet ist!”
Ein Wort ergibt das andere und letztendlich bleiben nur Wut, Enttäuschung und Kränkung übrig.
Die gewaltfreie Kommunikation läuft ruhiger:

Person Nummer eins
“Ich habe den Eindruck, du stößt – ohne es zu wollen – anderen Menschen vor den Kopf. Mir ist aufgefallen, dass andere auf deine Äußerungen gekränkt reagieren.” (Beobachtung)
“Es belastet mich, wenn ich sehe, wie ihr aneinander vorbeiredet und zum Schluss streitet.” (Gefühlsschilderung)
“Für mich ist es wichtig, dass wir miteinander höflich und rücksichtsvoll umgehen.” (eigene Bedürfnisse benennen)
“Bitte beobachte, ob andere Menschen sich immer mehr von dir distanzieren.” (Bitte)
“Vielleicht könntest du versuchen, in Zukunft etwas höflicher zu sein. (Wunsch)

Person Nummer zwei
“Wenn ich die anderen nicht antreibe, dann bleibt alles liegen.” (Beobachtung)
“Es macht mich fertig, dass jeder in den Tag hineinlebt und nichts richtig organisiert ist.” (Gefühlsschilderung)
“Mir ist es wichtig, dass wir unser Ziel erreichen, indem wir es gemeinsam anpacken und loslegen!” (eigene Bedürfnisse benennen)
“Bitte macht mehr in Eigeninitiative, damit ich darauf vertrauen kann, es wird gut klappen.” (Bitte)
“Ich wünsche mir mehr Miteinander und kein Schweigen oder Ignorieren.” (Wunsch)

Angriff und Stärke
Wer andere von vornherein angreift, ihnen etwas unterstellt und die vollkommen falsche Wortwahl trifft, der kommuniziert nicht gewaltfrei. Obwohl manche Dinge nicht so gemeint sind, kommen sie mitunter ganz anders beim Gegenüber an.
Sehr oft werden Menschen, die andere angreifen, für stark und mutig gehalten.
Doch bevor es zu solchen Eskalationen kommt, ist eine gewaltfreie Kommunikation mitunter hilfreich, um tatsächlich eine Einigung zu erzielen oder wenigstens einen Kompromiss.
Wer sich wie die zwei Ziegen auf der Brücke mit gesenkten Hörnern gegenüber steht, wird keinen Konsens finden und so kocht die angeheizte Stimmung erst richtig hoch.
Deshalb ist es mitunter angebracht, die Ruhe zu bewahren, kurz durchzuatmen und dann zu deeskalieren.
Damit ist allerdings nicht gemeint, sich alles gefallen zu lassen!
Es geht darum, wie am besten auf verbale Gewalt reagiert werden könnte!

Auf direkte und subtile Beleidigungen reagieren
Beispiel eins
“Ihh, das sieht eklig aus, was du da isst!”
Solche Äußerungen sind verletzend, grob und unhöflich.
Wer so redet, verteilt wahrscheinlich am Tag dutzende verbaler Hiebe. Da kann schon mal der Ärger in einem hochsteigen. Der Appetit ist wahrscheinlich auch dahin.
Doch es gibt Möglichkeiten, sich aus der unangenehmen Situationen ohne verbale Gewalt hinaus zu manövrieren.
“Sag so etwas bitte nie wieder über mein Essen. Es verletzt mich und nimmt mir meinen Appetit!”
“Wieso, was hab ich denn gemacht? Es sieht wirklich eklig aus, das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”
“Ich habe den Eindruck, du willst mich ärgern. Das ist keine gute Basis für uns beide!”
“Du verträgst wohl die Wahrheit nicht? Ja, das nächste Mal sage ich, dein Essen sieht wunderschön aus!”
“Ich habe festgestellt, dass du deinen Ärger immer bei mir ablädst. Es ist vielleicht das Beste, wenn wir uns eine Zeit aus dem Weg gehen.”

Besonnen und empathisch
Ich habe im Laufe meines Lebens festgestellt, dass viele Streitereien vor allem zustande kommen, weil das Verständnis für andere Blickwinkel fehlt.
Wo keine Empathie für die Lebens- und Denkweise des Gegenübers vorhanden ist, wird niemals eine faire Kommunikation entstehen können.
Deshalb ist gewaltfreie Kommunikation auch immer ein Thema der Toleranz.
Es zeugt von Höflichkeit und respektvollem Umgang, andere Menschen ausreden zu lassen, ihnen zuzuhören und sich ein Bild von der anderen Sichtweise zu machen.
Ich weiß, dass es in der heutigen Zeit sehr schwer ist, bei verbalen Angriffen besonnen zu reagieren .
Beleidigungen, Beschimpfungen und Verallgemeinerungen sind nicht zuletzt durch die Anonymität des Internets an der Tagesordnung und diese Gesprächskultur hält mittlerweile auch im Alltag Einzug.
Das ist vor allem für sensible und einfühlsame Menschen ein immer größer werdendes Problem, weil die Sprache verroht und die verbalen Attacken irgendwann seelische Verletzungen zur Folge haben.
Hier ist es wichtig, sich nicht in den “Rechtfertigungsmodus” drängen zu lassen und vor allem nicht auf eine ungesunde Ebene der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Angriff ist eben nicht immer die beste Verteidigung und ich hoffe, dass ist denjenigen besonders bewusst, die gern ausgewogen und in Harmonie leben möchten.
Denn diese Menschen besitzen oft von Natur aus die Gabe, auszugleichen und Souveränität in einem Gespräch zu transportieren. Momentan wünsche ich mir sehr viele Menschen mit diesen Eigenschaften in unserer Gesellschaft, damit wir irgendwann zu Fairness und Solidarität zurückfinden – auch und vor allem im verbalen Austausch.
Herzliche Grüße,

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