Sinnieren auf der Hollywoodschaukel

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Was für ein Tag…Nach endlosen Diskussionen am frühen Morgen über dieses und jenes, was nicht zu ändern geht und uns als Paar und Familie trotzdem die Luft zum Atmen nimmt….uns lähmt…traurig macht… Nach diesen anstrengenden Morgenstunden also beschlossen wir, einkaufen zu fahren und uns danach im Garten zu erholen.
Ein Weg aus den trüben Gedanken, dem Sumpf der lähmenden Schwere, hinein in eine Idylle mit Bienengesumm, flatternden Schmetterlingen und knallroten, reifen Erdbeeren.
Wir brauchen noch Rindenmulch, fiel uns ein. Die Blumenrabatte steht in ihrer vollsten Blüte und so nach und nach verschwindet auch das Gras, was von der Wiese eigenmächtig die zarten Rosen und andere Blumen umwuchert hat.
Das Rindenmulch unterstreicht das natürliche Flair unseres Gärtchen – nicht zu spießig, trotzdem atemberaubend schön. Einfach Natur!
Bis wir am Restpostenmarkt ankommen, schläft das Kind. Tief und fest. Sie ist nicht wach zu bekommen. Ein Blick auf die Uhr zeigt, es ist nach halb zwei, kein Wunder, dass sie so müde ist.
Vorsichtig wecken wir sie und holen endlich den Rindenmulch. Und ein Puzzle. Und ein ausklappbares Kinderbuch in 3 D analog, mit ausgeschnittenen Pferden. Weichspüler. Haarfärbemittel.
Oh Schatz, schau mal Kindersachen. Bald ist Urlaub
Wir brauchen noch jede Menge kurze Hosen!
Der Korb füllt sich. Irgendwann passieren wir die Kasse. Das Kind recht friedlich.
Haben wir noch Getränke im Garten Schatz?
Was für eine Frage. Natürlich nicht. Also los in den nächsten Supermarkt…
Wo hattest du nochmal das schöne Haus entdeckt? Wollen wir uns die Gegend anschauen? Ist nur ein kleiner Umweg…
Gesagt, getan. Abgelegene, idyllische Orte. Romantisches Flair. Ländlich, ruhig – eine blühende Augenweide.
Rosen vor dem Haus, Pferde auf den Koppeln, hier baumelt die Seele den ganzen Tag leichtfedrig hin und her…
Zum Einkaufen gibt es hier aber nichts, tönt eine Stimme neben mir. Macht nichts, säusele ich zurück. Wir können einmal die Woche Großeinkauf machen. Trebsen und Grimma sind nicht weit weg!
Ja mag sein, tönt die Stimme neben mir nochmal, aber heute hilft uns das wenig.
Ach Mist…Getränke!
Kleiner Umweg bis in einen dieser ländlichen Discounter, in denen die Regale voll und die Gänge leer sind; wo die Verkäuferinnen dein freundliches Nicken als Anlass für ein kurzes Gespräch nehmen…
Um die Zeit ist hier nicht mehr viel los, erfahre ich. Bis Feierabend ist die Zeit noch lang. Ich schaue auf die Uhr. Doch schon später Nachmittag.
So kann man sich auch von traurigen Gedanken ablenken, wenngleich ich mir idyllisches Sinnieren anders vorgestellt hatte.
Garten in Sicht, endlich!
Kissen auf die Hollywoodschaukel, bitte kurz setzen.
Mama, ich muß pullern!
Schatz, machst du Cappuccino?
Ich habe nur zwei Arme, und wo ist der Schlüssel zum Gartenklo?
In der Tasche der kurzen Hosen, die gerade raschen Schritts zum Auto unterwegs sind. Rindenmulch holen.
Ok, Gartenpullern. Mit gut vier Jahren geht das. Obwohl ich ja auch mal dringend…
Mama!!!! Ich bin fertig!
Schahatz! Ist der Cappuccino fertig?
Ich überlege, ob ich auch so einen Satz mit „fertig“ entgegnen soll.
Nein, auf keinen Fall. Frauen sind stark. Die fürsorgliche Mama, die liebevolle Partnerin…
Mama, wo ist meine Malkreide?
Ich gehe Richtung Laube. Wo war sie nur, ich habe sie doch letztens genau dort hingestellt…
Schau mal Schatz, wie die Gladiolen blühen…

asti

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