Söder und das Kruzifix. Religion im Fokus.

 
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Ja, ich weiß: Bayern ist katholisch.
Hier in den neuen Bundesländern kennen sich die meisten mit dem “Katholisch-Sein” nicht so aus.
Abgesehen davon, dass die meisten Gegenden hier protestantisch sind, gibt es bei uns auch jede Menge Konfessionslose.
Das ist nicht zuletzt der Zeit des Sozialismus geschuldet.
Ich selbst bin jedoch katholisch getauft. Meine Vorfahren mütterlicherseits stammen aus dem Eichsfeld, einem katholischen Fleckchen Ostdeutschland.
Genauer gesagt: DAS katholische Gebiet schlechthin in Thüringen mit dem Heiligen Martin als Schutzpatron.
Zu DDR-Zeiten zelebrierte das katholische Eichsfeld seine Religionszugehörigkeit, wie ich es später nie wieder irgendwo erlebt habe.

Außer in Bayern.

Aus der Kirche bin ich nie ausgetreten, weil ich mir dachte, ich unterstütze damit die Caritas.
Ob das so stimmt, weiss ich gar nicht. Jedenfalls kam ich an irgendeinem Punkt in meinem Leben mit der christlichen Lehre für mich nicht weiter. Ich glaubte schlicht und einfach nicht daran.
Mich interessierte viel mehr die Geschichte meiner baltischen Urahnen, der Prusai (Prußen – Ureinwohner Ostpreußens).
An was sie so glaubten, bevor der deutsche Ritterorden mit Gewalt durchsetzte, was die Priester im 7. Jahrhundert nicht geschafft hatten: Zu missionieren und einen christlichen Glauben zu erzwingen.
Nun gut.

Das hier ist kein Blog, der gegen andere Religionen hetzt.

Ich verstehe mich als moderne Frau mit toleranten Ansichten. Das ist mir ein Lebensprinzip.
Mag sein, dass es unter “political correctness” fällt und ich mich hin und wieder dazu zwinge.
Toleranz ist eben nicht immer einfach zu leben, auch wenn das die, die mich im Internet als “Gutmenschen” beschimpfen, nicht verstehen.
Es ist ganz sicher kein einfacher Weg, tolerant zu sein, sondern es ist eine Notwendigkeit für Frieden und Harmonie zwischen verschiedensten Menschen mit verschiedensten Meinungen.
Bei jeglicher Art von Gewalt hört meine Toleranz übrigens auf, um diese Diskussion gleich in die richtigen Bahnen zu lenken. Jede Art von Fanatismus – egal in welche Richtung – lehne ich strikt ab.

Herr Söder, die CSU und die christlichen Werte

Nun ist es ja so, dass wir in Deutschland zur Zeit öffentlich Grundsatzdiskussionen über Religion, Glauben, was zu Deutschland gehört und was nicht führen.
Offensichtlich gehört laut Herrn Söder schon mal nach Deutschland, überall in den Behörden (Bayerns) ein Kreuzaufzuhängen.
Ab dem 1. Juni ist ein angebrachtes Kreuz in den Eingangsbereichen der Behörden Pflicht, sagt der Ministerrat.
Es ist eigentlich auch gar nicht nur ein Kreuz, sondern ein Kruzifix. Da hängt also der Leib Jesu dran.
Es ginge dabei um das Bekenntnis zur Identität Bayerns sowie zu seiner kulturellen Prägung.
Ein religiöses Zeichen wäre es aber nicht.
Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Während ich mich hier in Toleranz gegenüber den gewaltbereiten christlichen Missionierern meiner Urahnen übe, will mir jetzt so ein bayrischer Kasper, Politiker, allen Ernstes erklären:
Das Kruzifix ist a) kein religiöses Symbol – obwohl das, was da von Söder ins Foyer der Münchner Staatskanzlei gehängt wurde, sogar katholisch geweiht ist und b) zeigt es unsere Werte, nach denen wir in Deutschland leben, obwohl in Deutschland nur 55% der Bevölkerung überhaupt Christen sind.
Oh sorry, ich vergaß, dass es ja auch die neueren Formen von Christen gibt, die vor etlichen Jahren noch als Sekte galten. So rutschen die Christen auf beachtliche 59 Prozent, glaubt man Wikipedia.
Dazu haben wir noch mindestens 6 Prozent Muslime und die erwähnten Konfessionslosen.
Und solche Leute wie mich, die nicht wirklich aus der Kirche ausgetreten sind, jedoch nicht christlich leben.

Gehört Bayern zu Deutschland? Wer gehört eigentlich überhaupt hierher?

Seit Monaten nerven mich diese ganzen religiösen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Es fing ja eigentlich mit der Flüchtlingskrise an, zog sich über die Rolle der (muslimischen) Frau, das Tragen von Kopftüchern der Muslima bis hin zu Niqab, Tschador und Burka als Zeichen der Unterdrückung und blieb bei “Gehört der Islam zu Deutschland”? stehen.
Gerade in Zeiten von islamistischem Terror auf der ganzen Welt und den Schreckensszenarien hier in Europa ist eine
Differenzierung der verschiedenen religiösen Ansichten unumgänglich.
Momentan reden die einen von misslungener Integration der Flüchtlinge, weil junge traumatisierte oder auch nur mittellose Männer ins Land kommen, und sich hier nicht benehmen (oder eben auch doch). Wir sehen es von außen niemandem so wirklich an, wo er herkommt und was er erlebt hat.
Es gibt Antänzer, die Frauen umzingeln, begrapschen und beklauen, was Diskussionen hochkochen lässt, ob solche Männer integrationsfähig und -willig sind.
Andererseits werden diese ganzen Dinge in einen Topf geschmissen mit den Muslimen, die seit einigen Generationen in Deutschland leben und arbeiten, vornehmlich in den alten Bundesländern. Die DDR hatte keine türkischen Gastarbeiter.
So kamen innerhalb 12 Jahren fast 900.000 Menschen in die damalige BRD, brachten ihre Arbeitskraft, ihren Glauben, ihre Kultur und ihre Familien mit.
Jetzt erzählt ein Herr Söder diesen Leuten, die ganz schön viel zum wirtschaftlichen Wachstum der BRD beitrugen, dass ihr Glaube nicht zu Deutschland gehört.
Die AfD schmettert natürlich wie immer fein mit und wir alle haben in Deutschland echt ein großes Problem.
Denn mittlerweile ist es so, dass die ostdeutschen Wutbürger nicht mehr zu Deutschland gehören. Das entnehme ich zumindest sehr vielen Äußerungen auf Twitter von Menschen aus den alten Bundesländern.
Abgesehen vom Kampf gegen den Rechtsextremismus hängen sie gleich Sachsen und “Cottbus” als Synonym für Fremdenhass mit an ihren Fingerzeig und klagen auch mich damit an: Ich tue nicht genug gegen den Fremdenhass, ich habe es verdient, so zu leben.
Ost und West gehört demzufolge offenbar nicht mehr zusammen. Links und Rechts bekämpft sich immer radikaler.
Muslime und Christen vertragen sich plötzlich nicht mehr. Muslime und Juden bekriegen sich.
Muslime gehören mit ihrem Glauben plötzlich nicht mehr nach Deutschland.
Und plötzlich wird Deutschland zu einem christlichen Land mit christlichen Grundwerten deklariert.

Außer es geht um Hartz IV, Pflege, Krankheit und Armut

Bei diesen Themen spielen diese hochgepriesenen christlichen Werte plötzlich keine so große Rolle mehr. Denken wir nur an die Äußerungen von unserem neuen Gesundheitsminister Spahn, dass Hartz IV nun wirklich kein Grund sei, sich arm zu fühlen.
Schon gar nicht führt Hartz IV in die deutsche Kinderarmut.
In Wahrheit ist die Lage ganz anders. Zuviele arrogante Äußerungen sind gefallen, zuviele schreckliche Dinge sollten beschlossen werden, nicht zuletzt das Psychiatriegesetz in Bayern, wonach psychisch kranke Mensch bei Besuch der Psychiatrie gelistet werden sollten als mögliche Attentäter (kurzgefasst).
Alles in allem hilft bei solchen Vertrauensbrüchen auch kein Kruzifix.
So es denn Jesus auch wirklich gab.
Immerhin darf ich auch nicht daran glauben, oder gehöre ich dann nicht mehr zu Deutschland? Bin ich dann gar für Juden, Muslime und Christen die wertlose ungläubige Heidin, die nackt durch den Wald tanzt?

Wie wäre es mit Humanismus!

Wer weiß, ob wir nicht langsam zu anderen Grundrechten zurück gehen sollten und zwar denen der Menschenwürde. Unabhängig jeder Religionszugehörigkeit wird es uns Menschen doch wohl möglich sein, aus eigener Kraft Toleranz zu üben, Mitgefühl zu zeigen, nicht zu klauen und zu morden, dafür aber zu teilen und den Nächsten nett zu behandeln!
Wir müssen darauf achten, dass jeder sein Selbstbestimmungsrecht nicht verliert und seine Würde behält.

Denkt immer daran: Jeder Mensch ist nackt auf die Welt gekommen! JEDER auf dieser Erde!
Und ob es euch allen passt oder nicht, das gilt für alle Menschen auf diesem Planeten, wir sind alle eine Art und alle miteinander verwandt!

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