Mrs. Eastie – Königin des [ostdeutschen] Alltags
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Sozialer, kooperativer, menschlicher.

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Ansichten & Denkweisen

Sozialer, kooperativer, menschlicher.

 
Lesezeit: 3 Minuten

Ich möchte es vorweg nehmen: Diesen Artikel – wie übrigens auch alle anderen hier – schreibe ich als „stinknormale“
Bewohnerin Deutschlands.
Es geht mir nicht darum, ob ich von Beruf journalistisch tätig bin, welches „Bildungsniveau“ ich habe oder ob ich politisch motiviert bin.
Ich bin nicht Expertin in den Bereichen der Volks- oder Betriebswirtschaft und könnte nun natürlich auch wochenlange Recherchen betreiben, mir die Wirtschaft erklären lassen, so zum Beispiel welche Rolle der Einfluss der Politik dabei spielt oder die Lobbyisten.
Doch meine Stärke liegt darin zu beobachten und empathisch zu erfassen. Ich bin gut im Zeichnen von gesellschaftspolitischen Skizzen und genau das ist mir auch wichtig.
Es ist sogar meine Leidenschaft, vor allem in einer Zeit, in der offensichtlich immer weniger Zivilcourage zutage tritt und wenn mit wenig Teilnehmern.
Ich bin übrigens tatsächlich nicht politisch motiviert und falls es so jemand doch so nennen will, dann ist es eine Politik ohne Namen, ich mag mich nicht an irgendeine Partei hängen und bin einfach recht sozialkritisch.

Die stinknormale Mutter

Wisst ihr was? In den letzten Tagen hänge ich echt durch. Das muss ich euch so ehrlich schreiben.
Nun nehme ich natürlich viele Dinge auch sehr viel intensiver wahr, da ich einerseits tatsächlich hochempfindsam bin. Andererseits bin ich Journalistin und lese tagtäglich soviel Bewiesenes und Unbewiesenes, dass der Fokus hier auch ganz anders liegt. Alles insgesamt ist eher in den beruflichen Bereich von Recherche und Dokumentation zu schieben.
Doch, abgesehen vom Beruflichen, hänge ich dennoch durch.
Es stimmt mich wahnsinnig traurig, dass in diesem reichen Land so viel Kinderarmut herrscht. Ich verstehe auch nicht, wie man Menschen so stark sanktionieren muss, die nicht ins Arbeitsleben zurückfinden. Immerhin gibt es ja nicht für jeden Arbeit, auch wenn das gern kommuniziert wird.
Andererseits haben wir einen akuten Fachkräftemangel – ich möchte sagen, in bestimmten Regionen und in bestimmten Branchen.
So suchen jetzt schon etliche Handwerksbetriebe und Bauunternehmen händeringend Nachwuchs, doch dieser fehlt.
Das gedanklich fortzuführen, ist tatsächlich eine Katastrophe. Wo keine Fachkräfte, da können auch keine Wohnungen gebaut werden. So sehe ich das Wohnungsbaukonzept der Bundesregierung als sehr schwierig durchzuführen.
Die zweite Sache ist, dass Menschen wütend darüber sind, wenn die Fachkräfte fehlen, gleichzeitig jedoch heutzutage am besten alle Kinder auf das Gymnasium gehen sollen / wollen / müssen, um danach zu studieren.
Wer aber studiert hat, steigt in einem handwerklichen Betrieb oder dem Baugewerbe sehr sicher nicht bei den „einfachen“ Arbeitern ein, sondern eine Etage höher.

Sind wir alle geldgeil?
Nein, natürlich nicht – dass wollte ich damit auch nicht ausdrücken. Es ist nur so, dass sich heutzutage jeder zweimal überlegt, ob er bis 67 noch körperlich schwere Arbeit verrichten will, weil sicherlich mit 45 der Körper so langsam Verschleiß zeigt.
Klingt hart, aber ich denke, jahrelang auf Knien rutschen oder auch schwer heben und vergleichbar schwere körperliche Tätigkeiten geht natürlich „auf die Knochen.“
Dazu überlege man sich, was an Lohn für diese Arbeit gezahlt wird.
Da heutzutage viele Arbeitsstellen befristet sind, im Schichtdienst gearbeitet wird, nicht gut entlohnt wird und der Faktor „Gesundheit“ zu kurz kommt, ist es eigentlich nicht wirklich verwunderlich, dass der Nachwuchs fehlt.
Selbst im Bereich des Arbeitsschutzes liegt Deutschland so weit auf den hinteren Plätzen.
Gerade im Handwerks- und Baugewerbe zu arbeiten, ist mit einem Berufs- und Gesundheitsrisiko belastet.

Unsere Lebensqualität in den Händen der Superreichen
Es klingt komisch, aber in der letzten Zeit kommen mir sehr sehr viele Menschen tatsächlich extrem ausgelaugt vor.
Viele fühlen sich ausgequetscht wie eine Zitrone und es ist vollkommen egal, aus welche Branche heraus.
Es beginnt bei den Auslieferdiensten von Paketen, wo es flächendeckend alle Auslieferfirmen nicht besonders gut mit den Mitarbeitern meinen.
Natürlich haben es mir die einen oder anderen erzählt, wo das Problem liegt. Sie können sich bei mir ja sicher sein, dass ich ihre Namen nicht nenne. Und ehrlich gesagt, auch nicht kenne.
Denn ansonsten würden sie nicht herausrücken mit der Sprache und das ist tatsächlich etwas, was mir bedrückende Gefühle entlockt. Diese Menschen haben Angst vor ihrem Arbeitgeber. Sie haben Angst, ihre Arbeit zu verlieren und sehr oft sind sie nicht tarifgebunden.
In den neuen Bundesländern gibt es viel weniger Aktivitäten von Gewerkschaften, wenn mich nicht alles täuscht.
Es kann sich dazu jederzeit in der Kommentarbox unter meinem Artikel geäußert werden.

Auslieferdienste haben das große Problem, dass ihre Regionen, die sie „beliefern“ sollen, nach immer mehr Kilometerb ausgeweitet werden. Ein Einziger soll viele Kilometer flächendeckend Pakete (Briefe usw) verteilen, aber eben in einer gewissen Zeitspanne. Für nicht allzuviel Geld.
Das ist unmachbar.
Eigentlich.
Menschen gehen an ihre gesundheitlichen Grenzen für diese Knochenjobs und wenn ihr mich fragt, ist das ein absolutes Unding. Es ist ja wie Ausbeutung. Ich glaube, es ist Ausbeutung!
Wir haben dieses unglückliche Phänomen jedoch in sehr vielen Bereichen!

In den Pflegeberufen, wo beispielsweise seit Jahren eine einzige Krankenschwester auf einer ganzen Station im Krankenhaus Nachtdienst schiebt.
Überhaupt fehlt jede Menge Pflegepersonal, weil keiner mehr für diesen Lohn so eine harte Arbeit machen kann und will!
Unser Gesundheitsminister hat dafür übrigens eine ganz einfache Lösung: Mehrarbeit. Viele Beschäftigte in der Pflege hätten ihre Stunden reduziert, erklärte Spahn. Man müsse ein „Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen“. Er wolle herausfinden, weshalb so viele Pflegekräfte eben verkürzt arbeiten gehen.
Ja, warum gehen denn die Pflegekräfte nun verkürzt arbeiten?

Also ganz ehrlich.

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Über die Autorin:

Die Königin des [ostdeutschen] Alltags schreibt hier sozialkritisch, parteiunabhängig, humorvoll, nachdenklich zu sehr vielen Themen mit Blick auf den Alltag in den neuen Bundesländern und die Aufarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit. Außerdem geht es um Morbus Crohn, selektiven Mutismus, Familienalltag, Lifestyle und Gesundheit, Kreatives und Querdenken.

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