Sozialer, kooperativer, menschlicher.

 
Lesezeit: 3 Minuten

Ich bin nicht Expertin in den Bereichen Volks- oder Betriebswirtschaft.
Meine Stärke liegt darin, gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten und empathisch zu erfassen.
Das ist mein Talent, meine große Leidenschaft; dafür habe ich sogar vor über zehn Jahren begonnen, zu bloggen.
Doch in den letzten Monaten hänge ich echt durch.
Es stimmt mich wahnsinnig traurig, dass in diesem reichen Land so viel Kinderarmut herrscht.
Ich verstehe auch nicht, wie man Menschen so stark sanktionieren muss, die nicht ins Arbeitsleben zurückfinden.
Immerhin gibt es ja nicht für jeden Arbeit, auch wenn das gern kommuniziert wird.
Andererseits haben wir einen akuten Fachkräftemangel – ich möchte sagen, in bestimmten Regionen und in bestimmten Branchen.
So suchen jetzt schon etliche Handwerksbetriebe und Bauunternehmen händeringend Nachwuchs, doch dieser fehlt.
Das gedanklich fortzuführen, ist tatsächlich eine Katastrophe.
Wo keine Fachkräfte, da können auch keine Wohnungen gebaut werden.
So sehe ich das Wohnungsbaukonzept der Bundesregierung als sehr schwierig durchzuführen.
Die zweite Sache ist, dass Menschen wütend darüber sind, wenn die Fachkräfte fehlen, gleichzeitig jedoch heutzutage am besten alle Kinder auf das Gymnasium gehen sollen / wollen / müssen, um danach zu studieren.
Wer aber studiert hat, steigt in einem handwerklichen Betrieb oder dem Baugewerbe sehr sicher nicht bei den „einfachen“ Arbeitern ein, sondern eine Etage höher.
Sind wir alle geldgeil?
Nein, natürlich nicht – dass wollte ich damit auch nicht ausdrücken.
Es ist nur so, dass sich heutzutage jeder zweimal überlegt, ob er bis 67 noch körperlich schwere Arbeit verrichten will, weil sicherlich mit 45 der Körper so langsam Verschleiß zeigt.
Klingt hart, aber ich denke, jahrelang auf Knien rutschen oder auch schwer heben und vergleichbar schwere körperliche Tätigkeiten geht natürlich „auf die Knochen.“
Dazu überlege man sich, was an Lohn für diese Arbeit gezahlt wird.
Da heutzutage viele Arbeitsstellen befristet sind, im Schichtdienst gearbeitet wird, nicht gut entlohnt wird und der Faktor „Gesundheit“ zu kurz kommt, ist es eigentlich nicht wirklich verwunderlich, dass in den Branchen der Nachwuchs fehlt.
Selbst im Bereich des Arbeitsschutzes liegt Deutschland weit auf den hinteren Plätzen.
Gerade im Handwerks- und Baugewerbe zu arbeiten, ist mit einem Berufs- und Gesundheitsrisiko belastet.
Liegt die Lebensqualität des ‚einfachen‘ Arbeiters in den Händen der Superreichen?
Es klingt komisch, aber in der letzten Zeit kommen mir sehr sehr viele Menschen extrem ausgelaugt vor.
Viele fühlen sich ausgequetscht wie eine Zitrone und es ist vollkommen egal, aus welche Branche heraus.
Es beginnt bei den Auslieferdiensten von Paketen, wo es flächendeckend alle Auslieferfirmen nicht besonders gut mit den Mitarbeitern meinen.
Natürlich haben es mir die einen oder anderen erzählt, wo das Problem liegt. Sie können sich bei mir ja sicher sein, dass ich ihre Namen nicht nenne. Und ehrlich gesagt, auch nicht kenne.
Denn ansonsten würden sie nicht herausrücken mit der Sprache und das ist tatsächlich etwas, was mir bedrückende Gefühle entlockt.
Diese Menschen haben Angst vor ihrem Arbeitgeber.
Sie haben Angst, ihre Arbeit zu verlieren und sehr oft sind sie nicht tarifgebunden.
In den neuen Bundesländern gibt es viel weniger Aktivitäten von Gewerkschaften, wenn mich nicht alles täuscht.
Es kann sich dazu jederzeit in der Kommentarbox unter meinem Artikel geäußert werden.
Auslieferdienste haben das große Problem, dass ihre Regionen, die sie „beliefern“ sollen, nach immer mehr Kilometern ausgeweitet werden.
Ein Einziger soll viele Kilometer flächendeckend Pakete (Briefe usw) verteilen, aber eben in einer gewissen Zeitspanne.
Für nicht allzuviel Geld.
Das ist nicht machbar.
Eigentlich.
Menschen gehen an ihre gesundheitlichen Grenzen für diese Knochenjobs und wenn ihr mich fragt, ist das ein absolutes Unding.
Es ist ja wie Ausbeutung. Ich glaube, es ist Ausbeutung!
Wir haben dieses unglückliche Phänomen jedoch in sehr vielen Bereichen!
In den Pflegeberufen, wo beispielsweise seit Jahren eine einzige Krankenschwester auf einer ganzen Station im Krankenhaus Nachtdienst schiebt.
Überhaupt fehlt jede Menge Pflegepersonal, weil keiner mehr für diesen Lohn so eine harte Arbeit machen kann und will!
Unser Gesundheitsminister hat dafür übrigens eine ganz einfache Lösung: Mehrarbeit. Viele Beschäftigte in der Pflege hätten ihre Stunden reduziert, erklärte Spahn. Man müsse ein „Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen“.
Er wolle herausfinden, weshalb so viele Pflegekräfte eben verkürzt arbeiten gehen.
Ja, warum gehen denn die Pflegekräfte nun verkürzt arbeiten?
Also ganz ehrlich.
Und um noch einmal kurz auf den Abi-Hype zu sprechen zu kommen: Mancherorts haben die Realschulen keinen guten Ruf.
Die Lernkonzepte stimmen, die Schulleitung ist engagiert – aber die Schüler sind es nicht.
Woran das wohl liegt?
Immer alles aufs Milieu zu schieben, ist mir zu einfach gedacht.
Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt.
Die (amerikanische) Vorstellung von der individuellen Kraft jedes Einzelnen, seinem Glück nachzujagen, trifft längst nicht mehr zu.
Die Menschen sind auch nicht nach dieser westlichen Vorstellung von Erfolg gestrickt.
Wir sind keine Einzelgänger, sondern brauchen die Gesellschaft.
Und momentan nutzen ominöse politische Kräfte diese Sehnsucht nach Gemeinschaft und Zusammenarbeit für ihre Zwecke aus.
Vor allem hier im Osten.
Das ist gefährlich.
Ich glaube, es ist an der Zeit, den Kurs wieder sozialer zu fahren. Kooperativer.
Menschlicher.
Nicht nur in Deutschland. Europaweit. Weltweit.

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