Urlaub auf dem Darß. Lebensart und Ausflugstipps.

 
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Fast eine ganze Woche Urlaub auf dem Darß ist schon um und verging wie im Flug.
Ein paar wenige Tage bleiben uns noch und schon jetzt erfasst unsere Herzen die Wehmut.
Denn hier ist es ganz besonders schön.

Wo der Darß liegt?
Ganz im Norden Deutschlands, genau genommen an der südlichen Ostseeküste und der Weg dahin lohnt sich!

Jeder, der das Meer so sehr liebt wie wir und noch dazu ein Naturliebhaber ist, sollte sich schleunigst Richtung Darß bewegen. Ganze 5600 Hektar unberührte Natur des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft warten hier auf euch mit so vielen verschiedenen Gesichtern und Geschichten, dass es unmöglich ist, den Darß in einem Wort zusammenzufassen.
Sowohl die Dünen und wunderschönen Strände, als auch die urwüchsigen Wälder und die großartige Tierwelt machen den Darß aus.

Die Lebensart
So wie die Küsten von Wind und Wetter, von Sonne und Regen geformt und verändert werden, so spiegelt sich der rauhe und doch herzliche, natürliche Charme in den Bauweisen der Fischerdörfchen und dem Charakter der Einheimischen wieder. Wer hier Prunk und Glanz sucht, der sucht vergeblich danach.
Die Bewohner hier sind bodenständig, pragmatisch und manchmal ein wenig spröde. Den Humor lieben wir besonders, manchmal ein wenig sarkastisch; die Kommunikation klar und geradlinig. Auf Schmeicheleien wird hier weitestgehend verzichtet, jedoch die Gastfreundschaft sehr hoch gehalten! Herzliche Menschen leben hier oben – rauhe Schale, weicher Kern! 😉
Wir haben uns eine Ferienwohnung in Born angemietet und sind sowohl von dem kleinen Fischerdörfchen mit den vielen Boddenzugängen als auch unserer Unterkunft sehr angetan.
Born ist sehr hundefreundlich, die Hunde dürfen in die meisten Restaurants mitgenommen werden. Nur die Hinterlassenschaften beim Gassigehen mögen die Borner nicht sehr gerne, was ja auch verständlich ist. Es gibt dafür eine Karte für Hundehalter, auf der einzelne Standorte von Hundetoiletten verzeichnet sind.
Diesen Flyer könnt ihr euch in der Kurverwaltung abholen. Dort finden sich auch weitere Flyer mit Ausflugszielen in der Region.

Darßer Häusermalerei – Die Darßer Türen
Besonders fasziniert haben mich die wunderschön bemalten Häuschen, die sich wunderbar in die Landschaft einfügen.
Die Türen sind liebevoll bemalt und erzählen maritime Geschichten aus der Vergangenheit.
Erstaunlich oft wurde die Sonne als Symbol für die gesunde Heimkehr der Seeleute verwendet, strotzend vor Kraft und Lebensfreude. Es wurde mir erzählt, dass die Männer oft wochenlang zum Fischen auf der See unterwegs waren, während die Frauen mti den Kinder Zuhause blieben. Die Fischverarbeitung nach der Rückkehr der Seemänner übernahmen Männer und Frauen.
Lebensbäume und Tulpen auf den Türen sollten vor Unwetter und Blitzeineinschlag schützen. Hier können wir die heidnischen Einflüsse nur erahnen.
Typisch für die Gegend: Die Reetdächer, welche wunderbar harmonisch zu den bunten Türen, Fenstern und Fassaden des Fischerhauses passen. Das Rohrdach war jahrhundertelang die einzige Form des Dachdeckens im Norden Deutschlands. Es besteht aus den Halmen des Schilfsrohres, welches bis heute an sumpfigen Ufern wächst.
Diese alte Kunst des Rohrdachdeckens wurde im Dezember 2014 als sogenannte Kulturform aufgenommen in das “Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Born liegt als staatlich anerkannter Erholungsort an den Meeresbuchten des Bodstedter und Saaler Boddens.
Drei dieser Boddenzugänge habe ich jeden Morgen mit unserem Hund besucht und die Stille genossen.
Beim Blick auf das Boddenwasser gibt es kleine oder auch größere Boote zu entdecken und manchmal habe ich auch einfach nur dem Rauschen des Rohrschilfes zugehört. Es war der ideale Ort, um meinen Gedanken nachzuhängen oder einfach nur die Natur zu geniessen.
Die Wasserlandschaft hat eine wahnsinnig meditative Wirkung auf feinfühlige Menschen und nicht umsonst finden sich auf dem Darß viele Künstler, deren Kreativität hier besonders freigesetzt wird.

Brauchtum auf dem Darß – Mittendrin im Tonnenabschlagen
Einen Samstag in unserem Urlaub gab es jede Menge Gewusel rund um unsere Ferienwohnung.
Sonst war es ruhiger und wir merkten schon, dass da ein Fest vorbereitet wurde.
Das Tonnenabschlagen sollte den nächsten Tag stattfinden und wir waren genau bei der Familie gelandet, bei der ein junger Mann 2017 der Stäbenkönig geworden war und somit dieses Jahr besonders geehrt wurde.
Beim Tonnenabschlagen versuchen die Tonnenbundbrüder und -schwestern, auf dem Pferd sitzend ein mit Eichenlaub geschmücktes Heringsfass zu zerschlagen, welches weit oben hängt. Dazu schwingen sie einen schweren Hartholzknüppel und versetzen dem Fass während des Vorbeireitens einen Schlag.
Wer das letzte übriggebliebene Seitenbrett abschlägt, wird Stäbenkönig und wer den letzten Holzspan vom Haken haut, Tonnenkönig.
Frauen dürfen erst seit Kurzem mitreiten. Früher war es verboten, dass sie am Wettbewerb teilnehmen, sodass sie sich dieses Recht regelrecht erkämpfen mussten.
Bevor es mit dem Tonnenabschlagen losgeht, werden frühmorgens die einzelnen Mitglieder des Tonnenbund-Vereins geweckt. Reiter und eine Blaskapelle ziehen ab um sieben durch den Ort und bleiben vor den mit blau-weißen Girlanden festlich geschmückten Häusern stehen.


Später kommen dann die zweiunddreißig Reiter und die Blaskapelle noch einmal beim Stäbenkönig lang, um ihn zum Tonnenabschlagen abzuholen. Doch vorher wird sich ordentlich gestärkt mit kleinen Schnittchen und vielen anderen Leckereien, die der Stäbenkönig anbietet.
Der Brauch soll symbolisch die Freude über die Befreiung Pommerns von der Schwedenherrschaft 1815 eingeführt worden sein. Andere munkeln aber, dass der Brauch schon viel älter sei und heidnische Rituale als Grundlage habe.
Der Borner Tonnenbund wurde 1889 gegründet und bekam da seine erste Fahne.

Die Umgebung und die Strände
In Prerow und Ahrenshoop waren wir mehr als einmal abends am Strand. Gerade für Hundeliebhaber ist dort jede Menge Platz, teilweise einen Kilometer lange Hundestrände. Abends deshalb, weil es tagsüber bei 39 °C sehr heiss war und wir das weder Hund noch Kind mehrere Stunden zumuten wollten. Um sechs ist es immernoch sehr warm und so werden wir sicher auch heute wieder baden und planschen gehen. Es geht vor allem am Anfang des Weststrandes in Ahrenshoop wunderschöne Sonnenuntergänge und Farbenspiele des Himmels zu beobachten. Durch die Spiegelung in der wunderbar klaren und schönen Ostsee ergeben sich sehr tiefe Eindrücke und Momente des Innerhaltens und Durchatmens.
Diese Gegend ist mehr als heilsam. Eine gewisse Magie liegt über dieser herrlichen Region!
In der Nacht haben wir geschlafen wie Steine.

 

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Sonnenuntergang in Ahrenshoop. Ohne Worte. Dem Meer 🌊 so nah. #ostseehalbinseldarß #strand #sonnenuntergang #ahrenshoop #ostseeverliebt #ostseemädchen #urlaub2018

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Kletterwald, die olle Berta, der Darßer Urwald und Streichelzoo
In der Umgebung gibt es eine Menge zu entdecken und zu erkunden. So waren wir im Darßer Urwald, der in Prerow hinter dem Regenbogencamp beginnt und den wir ein Stück mit der ollen Berta durchfuhren. Zwei Kilometer sind wir dann jedoch von der Endhaltestelle der Bahn durch das riesige Naturschutzgebiet bis zum Darßer Leuchtturm gewandert.
Dort gibt es auch einen Strandzugang, aber alleine seid ihr dort nicht.
Wer mag, kann gern den Leuchtturm hochsteigen und von dort einen Rundumblick genießen. Wir blieben unten und entschieden uns, keinen Eintritt zu bezahlen. Ein bisschen enttäuscht waren wir schon, dass das dortige Café nur Gäste bedient, die vorher ´Kohle abdrücken´ und haben auf einen gemütlichen Kaffee mit Kuchen verzichtet.
Bei fünf Euro pro Person ist es einfach zu teuer, dort ein Tässchen Kaffee zu trinken.
Stattdessen fanden wir einen gut gefüllten Mirabellenbaum 😉 Danach ging es eine andere Wanderstrecke durch die Wildnis zurück und irgendwo im Schilf raschelte ein Wildschwein. Das ließ uns samt hund etwas schneller gehen trotz Hitze. Irgendwann kamen wir wieder an der Bahnhaltestelle an, wo wir dann auf die olle Berta warteten.
Sehr toll ist auch der Kletterwald in Born. Dort können verschiedene Parcours geklettert werden ab einer Größe von 1,10 Meter, also auch für Familienausflüge geeignet.
Ebebnso können auch Fahrräder in Born ausgeliehen werden. Übrigens ist das hier aus eine pferdereiche Gegend, sodass sicher auch Reiterferien gemacht werden können.

Das wird definitiv nicht unser letzter Urlaub auf dem Darß gewesen sein!
Absolut empfehlenswert für alle naturbegeisterten Familien, Hundeliebhaber und jeden, der Bodenständigkeit, Ruhe und herrlichen Strand mag!
Liebe Grüße vom Ostseemädchen,

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