Warum Hochbegabte sehr wahrscheinlich nicht als Hochbegabte gesehen werden

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Ich könnte scherzhaft schreiben “ weil sie sich verstecken“. Nun – da könnte schon etwas dran sein. Viele Menschen mit doch recht ansehnlichem komplexen Denkvermögen, gut ausgestatteten kognitiven Fähigkeiten und besonderen Talenten wollen gar nicht als solche erkannt werden oder erkennen sich selbst nicht einmal.

Warum ist Hochbegabung nicht dasselbe wie „hohe schulische oder berufliche Leistungen“?

Hochbegabung wird sehr oft verwechselt mit Leistungserfolg. Dabei verhält sich die Sache oft genau anders herum. Wer viel hinterfragt, jedes Detail sieht, sich einen sehr komplexen Überblick über Geschehnisse verschaffen kann, der hat vor allem eines oft nicht: Anpassungsfähigkeit. Hochbegabte sind oft unbequeme Zeitgenossen. Sie fühlen sich in ihren Fähigkeiten beschnitten oder sehen keinen Sinn in routinierten Aufgaben. Dafür haben sie viele effiziente Lösungsvorschläge für ein Problem, und das ist oft nicht gern gesehen. Im Gegenteil: Wer stets und ständig Lösungen parat hat, wird eher als unsympathisch und besserwisserisch eingestuft.

Hochbegabung ist mehr als „nur“ schlau

Sicher gibt es viele Menschen, die genau das nicht verstehen. Wer schlau ist, muß es im Leben doch auch zu etwas bringen. Viele intelligente Schüler können gut das Gelernte in der Schule umsetzen, weil es ihnen leicht fällt, zu lernen. Eine hohe Auffassungsgabe und gute logische Verknüpfungen machen einen guten Schüler aus und zeugen von Intelligenz. Dann gibt es aber noch die Schüler, die alles das auch bringen – und darüber hinaus in der Lage sind, neue Denkwege zu gehen. Sie nehmen oft die Dinge, wie sie sind, nicht als wahr an, vor allem dann nicht, wenn es bereits Neuerungen auf dem Gebiet gibt.

Hinterfragen ist für das Umfeld oft sehr anstrengend

Gespräche mit Hochbegabten dauern oft ewig lange und führen vom Hundertsten ins Tausendste. Da jedes Thema mit unzähligen anderen Themen verknüpft sein kann, wird es wohl keinen oberflächlichen small-talk geben, denn es ist ja die Komplexität des Denkens und die Kreativität der Gedankengänge, die einen Hochbegabten ausmachen. Er denkt nicht nur in die „Breite“, sondern auch in die „Tiefe“ – und das über mehrere Ebenen.

Wer viel fragt, der weiß auch viel

Fragen zu stellen wird in unserer heutigen Gesellschaft oft immer noch mit Naivität und Dummheit gleich gesetzt. Sehr schade, denn wer nicht fragt, scheint offensichtlich nicht in die Tiefe zu denken. Alles als gegeben hinzunehmen, könnte auch als Zeichen von Unmündigkeit gesehen werden, womit Hochbegabte generell Probleme haben. Selbst wenn ihnen familiär oder gesellschaftlich die „Flügel gestutzt wurden“, werden sie auffallen. Das kommt daher, dass sie nicht generell das dazu lernen, was man ihnen vorgibt, sondern ihre Synapsen bereits aus irgendeinem Grund vielfältig geschaltet sind. Sie können also nicht wirklich etwas dafür, „so“ zu sein und haben dafür auch nicht besonders viel getan oder Ehrgeiz an den Tag gelegt, „so“ zu werden. Sie sind eben einfach „so“.

Das ist genau der Grund, weshalb viele sich verstecken. Sie wissen, dass sie irgendwie „anders“ sind und es ihnen meistens keine Pluspunkte gebracht hat – außer nervig, ausufernd, besserwisserisch, belehrend oder arrogant zu wirken.

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1 comment

  1. Hallo Astrid!

    Schöner Beitrag zur Hochbegabung, ich bin schon sehr auf die Fortsetzung gespannt.

    Derzeit setze ich mich gerade sehr intensiv mit den „Nebenwirkungen“ meiner Hochbegabung auseinander. Leider ist es in der heutigen Berufswelt mit den vielen Umstrukturierungen und Fusionierungen noch weniger gefragt, dass Menschen mitdenken und hinterfragen.

    Es ist sehr schwer nicht anzuecken. Mehr als andere zu sehen/erkennen ist für die anderen einfach wirklich sehr unbequem.

    lg
    Maria

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