Wenn Männer breitbeinig da sitzen. Manspreading on Tour.

 
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Seit 2017 gibt es in einigen großen Städten auf der Welt, wie New York, Seatlle oder Madrid, ein paar lustige Schilder. Auf denen steht die Aufforderung an Männer, sich nicht breitbeinig in die U-Bahn zu setzen und anderen Platz zu machen.
Lustig deshalb, weil ich es irgendwie nicht so ganz ernst nehmen kann.
Für diese Meinung habe ich auch einige Kritik auf Twitter geerntet. Dort gibt es direkt einen Hashtag #manspreading und die Diskussionen dazu sind schier unerschöpflich.
Ich habe zu dem Thema geschrieben, dass doch Männer und Frauen bestimmt in der Lage sind, zu solchen unhöflichen Breitsitzern zu gehen und zu sagen, sie sollen Platz machen.
Das stieß tatsächlich so manchem sauer auf. So hieß es, dass kein schüchterner Mensch auf der Welt dann zu seinem Recht käme und schon gar nicht Frauen, die es einfach nicht gelernt haben, “so selbstbewusst (wie ich) zu sein”. Ebenso würden Menschen mit Handicaps wie zum Beispiel selektivem Mutismus (meine Tochter in ein paar Jahren war damit gemeint) grundsätzlich respektlos von derartigen ungehobelten breitbeinigen Männern behandelt werden und könnten sich nicht wehren.
Schließlich ist es eine Höflichkeitsform, anderen Menschen Platz zu machen – ohne dass erst etwas gesagt werden muss.

Die schwache Frau
Selbstverständlich finde ich bestimmtes Verhalten an anderen Menschen nicht gerade höflich und auch ich mag dieses “Herumgefläze” nicht. Dennoch wird das ganze Thema zur Zeit dermaßen ausgeschlachtet und sich hochgeschaukelt, dass es im Laufe des Tages sogar zu sexueller Belästigung wurde.
Ich finde, dass solche Diskussionen uns Frauen total klein reden. Ich habe keine Ahnung, weshalb es momentan so kompliziert ist, vernünftig über verschiedenste Themen zu diskutieren. Entweder du bist dafür oder dagegen und dazwischen gibt es nichts. Ohne Kompromisse.
Dabei können Frauen sich durchaus wehren. Sie können taff sein, ihre Meinung sagen, sind weder alle extrem schüchtern noch in alten Rollenbildern gefangen. Deshalb frage ich mich ernsthaft, weshalb plötzlich jeder so tut, als wäre das nicht so? In welchem Jahrhundert leben wir und wieso wird das plötzlich so schräg diskutiert?
Müssen Frauen vor Männern Angst haben oder anders herum: Haben Frauen Angst vor Männern? Und wo kommt diese Einstellung her? Ich bin ganz anders erzogen worden und auch aufgewachsen. So viele taffe Frauen, die ich kenne, wissen eigentlich, was sie zu tun haben, wenn ein Mann tatsächlich anzüglich wird. Das ist doch nicht unbekannt.

Der starke, ungehobelte Mann
Nun jedenfalls ist er da, im Bewusstsein der Öffentlichkeit: Der breitbeinige sitzende Macho, der auch die Knie ständig gegen die Beine der Frau neben ihm stößt und sich breit macht für zwei.
Da kann Gattung Mann nun tun, was sie will,dass haftet an und geht vielleicht nie mehr weg. Die einen Männer werden noch präziser darauf achten, die Beine zusammen zu drücken, damit keiner ihnen etwas kann.
Und die breitbeinig dahockenden Gorillas werden sich ins Fäustchen lachen und sich über ihre neu entstandene Popularität freuen.

Die anerzogene Körpersprache
Im Ernst! Es gibt auch breitbeinig dasitzende Frauen, ich zum Beispiel sitze oft unbemerkt so da. Da kenne ich aber noch einige mehr davon. Es ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis auch hier solche Hashtags ins Leben gerufen werden! #womanspreading
Machen wir es doch wie in China, wo den Geishas ganz bestimmte Körperbewegungen antrainiert wurden.
Frauen sollen ja allgemein die Arme mehr am Körper haben und kleinere Schritte machen. Es gibt tatsächlich geschlechtertypische Körpersprache die im Übrigen oft von kleinauf anerzogen wurde.
Vielleicht sollten wir lieber aufhören, allse so bierernst zu nehmen. Außerdem sollten die Kinder einfach schon Freiheiten haben, sich zu entwickeln, ohne in irgendwelche Schubladen gepresst zu werden.
So wie blau im vergangenen Jahrhundert die Farbe der Mädchen war und Rot die der Jungen, so ändern sich eben viele Dinge, wenn sie einfach nicht mehr mitgemacht werden.
Wenn Mädchen auf Bäume klettern dürfen und laut herumtoben, ohne ein “du bist zu wilde für ein Mädchen” und Jungs malen, tanzen und singen als Hobby haben dürfen statt Fußball, dann sind wir dem Ziel schon näher.
Übrigens bin ich bereits in so einer Zeit aufgewachsen und hatte auch in meinem Leben einige beste Freunde – ohne Hintergedanken. Doch offensichtlich war es in meiner Kindheit da schon fortschrittlicher als jetzt.
Vielleicht umgehen wir so jedenfalls die strikte Rollenverteilung in “böse Männer” und “wehrlose Frauen”.

Oder wie mein Kind sagte: “Wenn die Sschilder zu uns kommen, dann brauchen wir aber erstmal eine U-Bahn hier im Leipziger Land.”
Liebe Grüße, 😉

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